Auf etwas unpersoenlichem Wege kommt hier als erstes bzw. zweites zunaechst ein dickes Dankeschoen an alle Schreiberinnen und Schreiber von erfrischenden Kommentaren. Wir freuen uns naemlich sehr ueber selbige (Standardfrage von Helke: Und, haben wir neue Kommentare?) und natuerlich ist es schmeichelhaft zu wissen, dass die eine oder der andere den Weg durch den Cyberspace zu unserem Geschreibsel findet…
Nun ist es aber tatsaechlich so, dass die “Netto-Netz-Time”, also die Zeit, in der man selber Zeit hat (ja ich weiss, davon haben wir gerade vergleichsweise viel), diese auch vor einem funktionierenden “Computadora” verbringen kann -also nicht gerade jemand anders dasselbe tun will- und dann noch die Internetanbindung funktioniert, also diese Zeit ist knapp. Und so kommt es, dass der letzte Blog-Eintrag schon etwas her ist und auch noch einige e-mails darauf warten, geschrieben zu werden.
Quasi als Nachtrag werde ich diesen Bericht mit einigen Fotos aus Iguazu verzieren, die aus Obera werden hoffentlich nachgereicht…
Aber nun zum eigentlichen Thema, im Westen was Neues:
Der Regenwald heisst Regenwald, weil: ‘s regnet, halt.
Diese Erfahrung mussten wir in Obera auf’s Neue machen, Verhaeltnis Sonne:Regen gleich 1zu 2. Sehr schoener Regen allerdings, warm und heftig, gerne auch mit Gewitter. So sassen wir in unserem “Refugio Verde”, bei Robert und Fabian, die uns in ihrer Kueche, die nach jedem Regen abgesoffen war, ausgezeichnet bekocht haben. Nicht wenige Tage vergingen mit Extrem-Uno-Spielen, durchbrochen nur von einer Partie Autoquartett; ich weiss nicht wie viele Muetter Hubraum, Beschleunigung und Kofferaumvolumen von 32 zeitgenoessischen Autotypen im Schlaf herunterbeten koennen…
Es hatte aber auch viel Gutes, so haben Paula und Tom bezueglich unserer vierbeinigen steuerpflichtigen Zeitgenossen eine systematische Desensibilisierung durchgemacht, zuletzt waren sie beliebte Spielkameraden, nur dass Zoe Paulas Schwimmfluegel zerbissen hat, wurde kritisiert.
In den zwei Wochen Obera sind wir so einige Male in diese argentinische Kleinstadt gewandert; was wir hierbei so beobachten konnten war schon sehr interessant. Gepraegt von hauptsaechlich nord- und osteuropaeischen Einwanderern werden in Obera die verschiedenen Kulturen gepflegt, unter anderem gibt es einen “Club aleman”, ein Einwandererfest und einen Park der Nationen. Jeder erzaehlt gerne und hat mindestens einen Grossvater, der zumindest schon mal in Deutschland war, in welchem Zusammenhang auch immer. Und irgendwie hat man den Eindruck, die Leute freuen sich, das mal jemand von “drueben” vorbeikommt, es ist, als besucht man entfernte Verwandte, die man noch nie vorher gesehen hat. Und es ist, wie ich finde, auch eine grundsaetzliche Hilfsbereitschaft da, die ich schon in Australien beobachtet habe, etwas, was mit dem Immigrationshintergrund zusammenhaengt, mit der Tatsache, dass man in vergangenen Tagen mit denselben Schwierigkeiten konfrontiert und ganz anders aufeinander angewiesen war.
Faszinierend auch die Beobachtung, wie hier gearbeitet wird. Nie kommt man in ein Geschaeft, in dem nur ein Mensch arbeitet, von den vielen Winz-Kiosken mal abgesehen. Immer hockt eine Handvoll Leute gut verteilt im Laden, einer an der Kasse, einer an der Waage, einer an der Einpackstation, ein oder zwei trinken gerade Mate, die anderen haben ihren Mate-Becher gerade zur Seite gestellt. An einer hoechst selten frequentierten Tankstelle stehen 3 Tankwarte, in jedem Bus gibt es einen Fahrkartenknipser- es finden aber alle gut so. Kein Stress, Arbeit auf viele Schultern verteilen. Zum erstenmal weiss ich, was mit Unterbeschaeftigung gemeint ist. Wie viele Menschen gibt es, junge, alte, die mit einer handvoll Seifenpackungen auf den Strassen unterwegs sind, um sie gewinnbringend weiterzuverticken… Und dennoch, die Atmosphaere wirkt insgesamt nicht depressiv. Ich kann mich aber auch taeuschen, further research has to be done.
Einmal waren wir in einem Reptilarium, dort haetten wir problemlos einen vier Meter langen Alligator entfuehren koennen. Und zuletzt waren wir noch an einem wunderschoenen Ort, einem Tal mitten im Urwald, hier bauen sich Kim und Marcelo eine kleine, autarke Farm auf, sie haben einen wunderschoenen Bach, in dem wir gebadet haben, ein Kompostklo und eine offene Kueche, in der sie zusammen mit ihren WWoofern kochen. Da wurde uns doch irgendwie anders, Gedanken zuckten durch den Kopf…
Jetzt sind wir in Posadas, etwas weiter westlich, Provinzhauptstadt.
http://maps.google.com/maps?ll=-27.36909,-55.888672&z=13&t=h&hl=es
…fuer alle, die wissen wollen, wie wir von oben aussehen…
Der Weg hierhin war beschwerlich, zur Nationalstrasse latschen, auf den Bus warten, dann am Busbahnhof mit sehr unruhigen Kindern Infos zum weiteren Weg einhohlen, Entscheid, in Posadas zu uebernachten, in die Innenstadt fahren, vom Taxifahrer abgezockt werden (zum ersten Mal), Touri-Info aufsuchen, zum Hotel latschen, dort unwohl fuehlen, wieder in die Stadt, Reisebuero aufsuchen, bissi rumlatschen, Abendessen, fertig! Das Anstrengendste dabei: Immer wieder Zoff mit Paula, weil sie manchmal gar nicht checkt, wann man mal zurueckzustecken und die Klappe zu halten hat… Naja, morgen gehts weiter, wir wollen ein Sumpfgebiet anschauen, bin mal auf den Regen dort gespannt.
Mehr Fotos:
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Verfasst von Jülschi 





