Posadas, 25. Oktober

26. Oktober 2008

Auf etwas unpersoenlichem Wege kommt hier als erstes bzw. zweites zunaechst ein dickes Dankeschoen an alle Schreiberinnen und Schreiber von erfrischenden Kommentaren. Wir freuen uns naemlich sehr ueber selbige (Standardfrage von Helke: Und, haben wir neue Kommentare?) und natuerlich ist es schmeichelhaft zu wissen, dass die eine oder der andere den Weg durch den Cyberspace zu unserem Geschreibsel findet…

Nun ist es aber tatsaechlich so, dass die “Netto-Netz-Time”, also die Zeit, in der man selber Zeit hat (ja ich weiss, davon haben wir gerade vergleichsweise viel), diese auch vor einem funktionierenden “Computadora” verbringen kann -also nicht gerade jemand anders dasselbe tun will- und dann noch die Internetanbindung funktioniert, also diese Zeit ist knapp. Und so kommt es, dass der letzte Blog-Eintrag schon etwas her ist und auch noch einige e-mails darauf warten, geschrieben zu werden.

Quasi als Nachtrag werde ich diesen Bericht mit einigen Fotos aus Iguazu verzieren, die aus Obera werden hoffentlich nachgereicht…

Die beruehmten Faelle von Iguazu, die 'Cataratas'

Die beruehmten Faelle von Iguazu, die "Cataratas"

Handarbeit aufm Bau

Handarbeit aufm Bau

Aber nun zum eigentlichen Thema, im Westen was Neues:

Der Regenwald heisst Regenwald, weil: ‘s regnet, halt.  

Diese Erfahrung mussten wir in Obera auf’s Neue machen, Verhaeltnis Sonne:Regen gleich 1zu 2. Sehr schoener Regen allerdings, warm und heftig, gerne auch mit Gewitter. So sassen wir in unserem “Refugio Verde”, bei Robert und Fabian, die uns in ihrer Kueche, die nach jedem Regen abgesoffen war, ausgezeichnet bekocht haben. Nicht wenige Tage vergingen mit Extrem-Uno-Spielen, durchbrochen nur von einer Partie Autoquartett; ich weiss nicht wie viele Muetter Hubraum, Beschleunigung und Kofferaumvolumen von 32 zeitgenoessischen Autotypen im Schlaf herunterbeten koennen…

Abendstimmung

Abendstimmung

Es hatte aber auch viel Gutes, so haben Paula und Tom bezueglich unserer vierbeinigen steuerpflichtigen Zeitgenossen eine systematische Desensibilisierung durchgemacht, zuletzt waren sie beliebte Spielkameraden, nur dass Zoe Paulas Schwimmfluegel zerbissen hat, wurde kritisiert.

In den zwei Wochen Obera sind wir so einige Male in diese argentinische Kleinstadt gewandert; was wir hierbei so beobachten konnten war schon sehr interessant. Gepraegt von hauptsaechlich nord- und  osteuropaeischen Einwanderern werden in Obera die verschiedenen Kulturen gepflegt, unter anderem gibt es einen “Club aleman”, ein Einwandererfest und einen Park der Nationen. Jeder erzaehlt gerne und hat mindestens einen Grossvater, der zumindest schon mal in Deutschland war, in welchem Zusammenhang auch immer. Und irgendwie hat man den Eindruck, die Leute freuen sich, das mal jemand von “drueben” vorbeikommt, es ist, als besucht man entfernte Verwandte, die man noch nie vorher gesehen hat. Und es ist, wie ich finde, auch eine grundsaetzliche Hilfsbereitschaft da, die ich schon in Australien beobachtet habe, etwas, was mit dem Immigrationshintergrund zusammenhaengt, mit der Tatsache, dass man in vergangenen Tagen mit denselben Schwierigkeiten konfrontiert und ganz anders aufeinander angewiesen war.

Selva (subtropischer Regenwald)

Selva (subtropischer Regenwald)

Faszinierend auch die Beobachtung, wie hier gearbeitet wird. Nie kommt man in ein Geschaeft, in dem nur ein Mensch arbeitet, von den vielen Winz-Kiosken mal abgesehen. Immer hockt eine Handvoll Leute gut verteilt im Laden, einer an der Kasse, einer an der Waage, einer an der Einpackstation, ein oder zwei trinken gerade Mate, die anderen haben ihren Mate-Becher gerade zur Seite gestellt. An einer hoechst selten frequentierten Tankstelle stehen 3 Tankwarte, in jedem Bus gibt es einen Fahrkartenknipser- es finden aber alle gut so. Kein Stress, Arbeit auf viele Schultern verteilen. Zum erstenmal weiss ich, was mit Unterbeschaeftigung gemeint ist. Wie viele Menschen gibt es, junge, alte, die mit einer handvoll Seifenpackungen auf den Strassen unterwegs sind, um sie gewinnbringend weiterzuverticken… Und dennoch, die Atmosphaere wirkt insgesamt nicht depressiv. Ich kann mich aber auch taeuschen, further research has to be done.

Einmal waren wir in einem Reptilarium, dort haetten wir problemlos einen vier Meter langen Alligator entfuehren koennen. Und zuletzt waren wir noch an einem wunderschoenen Ort, einem Tal mitten im Urwald, hier bauen sich Kim und Marcelo eine kleine, autarke Farm auf, sie haben einen wunderschoenen Bach, in dem wir gebadet haben, ein Kompostklo und eine offene Kueche, in der sie zusammen mit ihren WWoofern kochen. Da wurde uns doch irgendwie anders, Gedanken zuckten durch den Kopf…

Jetzt sind wir in Posadas, etwas weiter westlich,  Provinzhauptstadt.   

http://maps.google.com/maps?ll=-27.36909,-55.888672&z=13&t=h&hl=es

…fuer alle, die wissen wollen, wie wir von oben aussehen…

 Der Weg hierhin war beschwerlich, zur Nationalstrasse latschen, auf den Bus warten, dann am Busbahnhof mit sehr unruhigen Kindern Infos zum weiteren Weg einhohlen, Entscheid, in Posadas zu uebernachten, in die Innenstadt fahren, vom Taxifahrer abgezockt werden (zum ersten Mal), Touri-Info aufsuchen, zum Hotel latschen, dort unwohl fuehlen, wieder in die Stadt, Reisebuero aufsuchen, bissi rumlatschen, Abendessen, fertig! Das Anstrengendste dabei: Immer wieder Zoff mit Paula, weil sie manchmal gar nicht checkt, wann man mal zurueckzustecken und die Klappe zu halten hat… Naja, morgen gehts weiter, wir wollen ein Sumpfgebiet anschauen, bin mal auf den Regen dort gespannt.

Mehr Fotos:


Obera, 11. Oktober

12. Oktober 2008

Wer haette das gedacht? Helke, ich und die Kids bei einem: MOTORRADRENNEN!

Wie das kam, erzaehlen wir irgendwann spaeter. Gerade nutzen wir die Gelegenheit und schreiben einen Bericht zu zweit… Die Kinder schlafen und wir sitzen bei chilliger Musik, Bachrauschen und Grillenzirpen in der “Zentrale” des “Refugio Verde”. Die “Zentrale” ist der Mittelpunkt der von Robert und Fabian erschaffenen Oase hier im subtropischen Regenwald, dem “Refugio Verde”.

Fabian und Robert in der "Zentrale"

Fabian und Robert in der "Zentrale"

Nachdem wir eine Woche in Puerto Iguazu waren, viel laenger als das fuer Touristen ueblich ist, wie Helke beim Einkaufen vom Empanada-Fachverkaeufer versichert wurde, sind wir ueber eine Anzeige auf der “WWOOF”-Seite (s.u.) hier gelandet. Fuer Paula und Tom war der Start an diesem abseits gelegenen Fleckchen schwierig, denn es gibt hier drei Hunde, Leila, Junior und Zoe. Aber nachdem sie sich an diese gewoehnt hatten, wussten sie den Bach, den Regenwald und den Swimming-Pool sehr wohl zu schaetzen.  Wir geniessen nach dem touristischen, schnellebigen Iguazu dieses friedliche Fleckchen Erde und die offenen und liebenswerten Menschen hier. Ausser den beiden Besitzern wohnen derzeit noch vier argentinische Mitarbeiter einer ungarischen Variante vom Dschungelcamp hier. Zwei von ihnen und ein hilfreicher Nachbar sammeln fleissig Kakerlaken, Froesche, Spinnen und andere liebenswerte Tierchen zur Belustigung der ungarischen Stars. Eigentlich sind wir mit hochgekrempelten Aermeln und voller tatendrang hierhergekommen, schliesslich sind wir ja “willing workers”, aber da es nicht wirklich eine “organic farm” gibt und auch sonst niemand wirklich zu arbeiten scheint, lassen wir Seele und Beine baumeln und uns darueber hinaus koeniglich bewirten. Gelernt haben wir auch schon was, naemlich, dass man quasi alles fritieren kann, was nicht bei drei auf den Baeumen ist. Darueberhinaus hoeren und sprechen wir hier auch endlich mehr Spanisch als zuvor, which is good. Und heute nachmittag haben wir die Gelegenheit genutzt und sind mit Maria-Noell, der Film-Frau, zu dem nahegelegenen “Autodroma” gefahren, einer Rennstrecke, auf der heute die Vorlauefe zu einem Motorradrennen stattfanden.

Nach dem wir von mehreren “Offiziellen” unterschiedliche Auskuenfte erhalten hatten, war es uns dann doch gelungen, in die Boxengasse vorzudringen und die Rennatmosphaere und den Benzingeruch zu geniessen. Leider haben Rennmotorraeder keine Schalldaempfer, sodass der ohrenbetaeubende Laerm doch etwas stoerend war… Aber, Dabeisein ist alles!


¡Bienvenidos!

9. Oktober 2008

Viel Spass beim Stoebern auf diesen Seiten! Wir freuen uns ueber Kommentare oder “normale” e-mails (Adressen siehe: Wer macht sowas?), gerne auch mit Bilderwuenschen (ausser Nacktfotos). 

Ach ja: Beim Ueberfahren der Bilder mit dem Mauszeiger erscheint ein Fenster, in dessen Oberteil ein Link steht. Ein Klick darauf, dann wird das Foto in voller Groesse geladen…


Puerto de Iguazu, 4. Oktober

5. Oktober 2008
Also gestern, ne,

da hatten wir hier super Wetter.

Paula und Tom im Glueck- Sonne, Wasser, keine Autos

Paula und Tom im Glueck- Sonne, Wasser, keine Autos

Dann zogen allerdings gegen Abend Wolken auf und in der Nacht begann es zu regnen und zu gewittern und zwar heftig. Wir lagen in den Betten und stellten uns vor, wie es waere, wenn wir dieses Unwetter in einem Zelt erlebten, denn wir hatten gerade an eine Wwoof-Farm (Willing Workers on organic Farms, Organisation, die Reisende an Bio-Hoefe vermittelt, wo sie gegen Kost und Logis arbeiten und leben koennen) geschrieben mit dem Wunsch, zwei Wochen dort zu verbringen.

Heute morgen stellte sich die Situation dann so dar:

 Der Pool wird bei subtropischem Regen schnell voll

Wir mussten den Plan, zu den Wasserfaellen zu wandern, aufgeben und haben stattdessen einen sehr faulen Tag verlebt, niemand hat’s gestoert…

Buenos Aires, 30.September

1. Oktober 2008

O.K., Reisen heisst auch loslassen, oder?

Heute, an unserem vorletzten Tag hier in dieser grossen Stadt, mussten wir unsere Festplatte gehen lassen, sie machte nur noch verzweifelt “kwik, kwik” und tat ansonsten nichts mehr. Keine Ahnung warum. Waren immer freundlich. Schade, dass darauf die gesamte Musik fuer die naechsten Wochen und Monate lag, zusaetzlich Fotos, Programme und anderer unnuetzer Kram. Sorry, Eike, fuer die Arbeit die du damit hattest. Fuer mich bricht damit ein bisschen das EDV-Konzept der Reise weg, aber wie gesagt, irgendwie fuehlt man sich auch wieder ein Stueck leichter.

Wir freuen uns sowieso sehr auf die morgige Bustour nach Norden, zu den beruehmten Wasserfaellen in Iguazu, an der brasilianischen Grenze. Wir haben Tickets fuer den Nachtbus, Tom und Paula sind gluecklich, denn wir sitzen vorne oben…

Wir haben heute die Sachen gepackt und lassen insgesamt zwei grosse Reisetaschen (und den Computer) bei Julia, unserer Spanischlehrerin, die mittlerweile eine Freudin geworden ist. Jezt haben wir wirklich nur noch die ganz wichtigen Dinge dabei, vielleicht noch ein bisschen weniger.

Buenos Aires ist schon toll, es gibt unheimlich viele Dinge zu entdecken, alltaegliche Dinge, die uns faszinieren: Die Menschen, die wirklich unheimlich hilfsbereit sind, gar nicht zoegern, Anrufe zu taetigen, zu Nachbarn zu gehen, sich geduldig unser gestammeltes Spanisch anzuhoeren, um unsere Probleme zu loesen oder Wuensche zu erfuellen. Heute habe ich aus Leuchtdioden und einem Jet-Lavage-Batteriekasten eine Leselampe gebaut und erfolgreich die “Zutaten” eingekauft, der Hostelbesitzer war sofort bereit, einen Loetkolben von seinem Nachbarn zu organisieren. Da macht es einfach Spass, hierzusein und sich auf das Leben einzulassen.

Hier gibts schon seltsame Insekten

Hier gibts schon seltsame Insekten

Nach der ersten Zeit hier, in der wir von den Eindruecken ueberrannt wurden, bekommt man etwas mehr Blick fuer die Details (nicht nur fuer die der Autos), es faellt immer haeufiger der von Helke schon beschriebene Unterschied zwischen reich und arm auf, ueberbordende Einkaufsstrassen mit sehr teuren europaeischen Artikeln, hier besteht kein Unterschied zu anderen uns bekannten Grosstaedten. Abseits dieser Strassen jedoch erst die unglaublich vielen kleinen Laeden und Laedchen, teilweise nur wenige Quadratmeter gross, die alles, aber auch wirklich alles feilbieten, z.B. auch gebrauchte Teile von Gasthermen, die Drehknoepfe derselben, teilweise gut erneuert, jedoch voellig zerbeult.

Freundlicher Gasherddrehknopffachverkaeufer

Freundlicher Gasherddrehknopffachverkaeufer

Wer so einen Laden betreibt, gehoert schon zu den Besserverdienenden, ein Grossteil der Arbeitenden ist auf dem sogenannten informellen Arbeitsmarkt taetig, d.h. in der Regel werden ohne soziale Sicherung Dienstleistungen angeboten, die Taetigkeit des Hundeausfuehrers gehoert dabei schon zur priveligierten Arbeit. Viele Menschen, vom Kind bis zum Greis, ziehen Tag fuer Tag durch die U-Bahn-Zuege und verkaufen kleine Dinge fuer den taeglichen Gebrauch, andere ziehen durch die Strassen und sammeln ein, was nicht mehr gebraucht wird und fuer ein paar Centavos (Untereinheit des Peso) an Sammelstellen abgegeben werden kann. Man spuert, dass Argentinien nach dem Finanzcrash 2001/2002, der “Tango-Krise” an der Schwelle zum Entwicklungsland stand. Und die richtig armen Viertel der Stadt haben wir noch nicht einmal gesehen…

Es gibt aber auch einen anderen Lebensrythmus hier. Abgesehen von der eher amuesanten Beobachtung, dass Samstagabends Hochbetrieb in den Friseursalons herrscht, wundern wir uns etwas darueber, dass die U-Bahnen morgens erst ab acht fahren und um neun, wenn wir zum Spanischkurs fahren, gerappelt voll mit beschlipsten Leuten sind. Das abendliche Treiben ist natuerlich auch nicht vergleichbar, die Laeden sind mindestens bis acht geoeffnet, viele laenger. Die Strassen sind darueberhinaus noch voller Menschen, auch bei dem in den letzten Tagen doch eher kuehlen Wetter.  

Es gaebe noch etliches mehr von hier zu schreiben, mal schauen ob sich die Gelegenheit noch bietet, Fakt ist, wir sind heilfroh, hier erstmal wegzukommen. Wir haben alle den Eindruck, trotz allgemein guter Laune, einer durch ihre Geschwindigkeit und Lautheit sehr kraeftezehrenden Umgebung ausgesetzt zu sein. Wir sehnen uns nach Natur, Sonne und der Abwesenheit von Krach und Abgas und- dem allgegenwaertigem bunten Geflimmer aus den ubiquitaeren Fernsehern, vor denen Paula und Tom bei jeder Gelegenheit wie angewurzelt stehenbleiben.


Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.