¡Bienvenidos!

9. Oktober 2008

Viel Spass beim Stoebern auf diesen Seiten! Wir freuen uns ueber Kommentare oder „normale“ e-mails (Adressen siehe: Wer macht sowas?), gerne auch mit Bilderwuenschen (ausser Nacktfotos). 

Ach ja: Beim Ueberfahren der Bilder mit dem Mauszeiger erscheint ein Fenster, in dessen Oberteil ein Link steht. Ein Klick darauf, dann wird das Foto in voller Groesse geladen…

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Cartagena, 27. Juli

27. Juli 2009

Cartagena. Nach mehr als 5000 km in knapp 4 Wochen am Ziel. Waere ich von Oldenburg aus losgefahren, waere ich jetzt in Dakar. Oder Moskau, hin und zurueck, natuerlich nur ueber Landstrasse.  Und jetzt sitze ich hier und schreibe den letzten Eintrag, denn der Flug geht in vier Stunden und da wird auch dem letzten Optimisten klar, dass die Zeit in Suedamerika, unsere Reise, unser Jahr, um ist. An dieser Stelle ein ganz grosses Dankeschoen an alle, die mitgebastelt, geraeumt, genaeht, organisiert, auf Kinder aufgepasst, Sachen untergestellt, unsere Post und unsern Papierkram (besser als wir das sonst selber machen-danke, Papi) erledigt und uns anderswie unterstuetzt haben. Und Kommentare geschrieben haben. Vielen, vielen Dank. Wie heisst es immer so schoen: Ohne diese Unterstuetzung waere das alles nicht moeglich gewesen. Stimmt.

Wer eine Fernreiseempfehlung braucht: Kolumbien. Dieses Land ist wunderschoen, abwechslungsreich und- sehr suedamerikanisch. Die Gegensaetze zwischen arm und reich habe ich nirgendwo intensiver empfunden, Wolkenkratzer und viele Menschen, die im Muell nach etwas Essbarem suchen. Und Politiker, die zwar die Guerilla bekaempfen, aber nicht den Drogenhandel. Und dazu ueberall Musik.

In Cartagena kann man sich leicht in vergangene Zeiten zurueckversetzt fuehlen, wandert man durch das historische Zentrum mit all den engen Strassen und kolonialen Bauten. Es ist so heiss hier, dass man immer nass ist, meistens vom Schweiss, der in Baechen den Koerper hinabrinnt, manchmal auch von einer Dusche und manchmal auch vom Regen. Es macht eigentlich keinen Unterschied.

Die ersten Tage habe ich mit Horsti noch auf einem Parkplatz gestanden, danach, als er im Hafen war, in einem Hostal gewohnt, das schoenste, dass mir auf der ganzen Tour untergekommen ist, mit einem grossen Innenhof, in dem Palmen stehen, Haengematten haengen und Liegestuehle sind und ein Pool. Willkommene Abwechselung nach einem Tag im heissen, staubigen Hafen, von dem aus Horst verschifft wurde. Das hat insgesamt gut geklappt, sehr umstaendlich allerdings. Am Samstag wurde die Zollabwicklung des Autos erledigt, was alles in allem nur 6 Stunden gedauert hat, am Sonntag wurde die Drogenkontrolle durchgefuehrt und verladen. Die gefuerchtete Drogenkontrolle (in Berichten war zu lesen, dass das Auto komplett ausgeraeumt und demontiert wurde) bestand in meinem Fall aus zwei netten Polizeijungs, die das Auto zwar gruendlich inspiziert haben, aber mehr aus Interesse am Innenausbau als an moeglicherweise an unzugaenglichen Stellen versteckten Drogen. Dann kam noch ein anderer netter Junge mit dem Drogenhund Max, einem jungen Labrador, der freundlich schwanzwedelnd vor meinem Wurstbrot wartete und viel lieber mit den Kindern der anderen Familien gespielt haette.

Gut, das haetten wir dann auch. Es ging nun zum Schiff und da die Heckklappe, ueber die die Autos normalerweise unter Deck gelangen, kaputt ist, mussten die drei Wohnmobile auf sog. Flatracks verladen werden.

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Tolle Wurst. Horsti zwei Wochen an Deck, See und Sonne ausgesetzt. Das hatten wir uns anders vorgestellt. Irgendwann stand Horsti dann auf seinem Flatrack, irgendwann war er dann verzurrt und am spaeten Nachmittag war es soweit: Angehoben von einem monstroesen Kran der Firma Liebherr, schwebte Horst auf Deck und wurde vorne rechts sanft abgesetzt und hoffentlich auch gut festgemacht.

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Bis zur Abfahrt dauerte es dann immer noch ein Weilchen, aber die wollte ich mir nun doch nicht entgehen lassen und so war der Tag dann rum.

Abends war noch Gelegenheit, Carlos und Samantha wiederzutreffen, ein argentinisches Paar, die mit einem Renault 12 von Ushuaia nach Alaska und zurueck wollen http://conun12poramerica.blogspot.com und die wir aus Salta kannten, ein netter Abschluss des Tages.

Und nun -ab nach Hause! Ciao, asta luego, bis zum naechsten Mal. Que te vaya bien…

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Medellin, 17. Juli

18. Juli 2009

Kolumbien. Endlich. Zweimal stand ich schon vor der Grenze, dann hats geklappt. Nach nur drei Stunden! Dabei war das Problem nicht die Einreise, sondern die Ausreise aus Ecuador. Egal, sollte die letzte Landgrenze sein, auf der Tour. Zehn Tage noch, dann ist auch fuer mich der Aufenthalt auf diesem Kontinent beendet. Ein komisches Gefuehl, aber ich freu mich auf zu Hause… Und so ganz easy beasy ist die Zeit bei dieser Kilometerfresserei auch nicht. In Peru konnte man -immer schoen an der Kueste entlang- ordentlich Meile machen, aber die letzten 1000 Kilometer wollten hart erarbeitet werden, immer schoen die Anden rauf und runter, ewiges Fahren im zweiten Gang, erst rauf, dann runter und dabei irgendwie an den Lkw vorbeikommen, die sich teilweise mit weniger als Schrittgeschwindigkeit die Strasse hinauf oder hinab quaelen.

In Ecuador fuehrte die PanAm zunaechst auch noch an der Kueste entlang, jetzt weiss ich auch, wo die Bananen wachsen. Dann einmal rueber, ueber die Kordillere und ab in den Regenwald, in Misahualli kam ich bei Bernhard, einem deutschen Arzt unter, der hier eine Urwaldlodge, den „Jardin Aleman“, den deutschen Garten, betreibt. Es folgte am naechsten Tag ein Ausflug mit dem Boot auf dem Rio Napo und- am Abend ein Treffen mit einem echtem Medizinmann! Naemlich dem Schamanen Atahuallpa, der gleichzeitig auch Kapitaen des Bootes und Urwaldfuehrer ist und uns so interessante Gewaechse wie Curare und bestimmte Lianen zeigte, aus denen ein Trunk gebraut wird, Ayahuasca, welcher halluzinogen ist und es dem Shamanen ermoeglicht, die Diagnose des Patienten zu erkennen. Atahallpa sagte also, er wuerde am Abend mit zwei Russen die Zeremonie zelebrieren, ich hab dann mal gefragt, ob man da mitmachen kann, ja das ginge. Also abends zu Atahuallpa, am Nachmittag hatten wir noch eine Tierauffangstation besichtigt, http://www.amazoonico.org, wo auch zwei Touris herumliefen, so richtig zum abgewoehnen, arrogant, geringschaetzend, die freiwillig dort arbeitenden Menschen von oben herab behandelnd.

Ich also abends zu Atahuallpa, die Zeremonie fand im neugebauten Steinhaus auf Plastikstuehlen statt, ich war der Erste! in Suedamerika gehoere ich naemlich zu den ganz Puenktlichen…Naja, und dann kamen die beiden Russen und ich fiel fast vom Plastikstuhl, denn es waren -die beiden Touris vom Nachmittag. OK. Dann gab es dieses Getraenk und verzweifelt wartete ich auf die Wirkung, aber bis auf ein minimal lauteres Zirpen der Grillen war nicht viel passiert. Es folgte eine Geschichte ueber eine Vision von Atahuallpas Vater und dann startete die Zeremonie, zuerst mit dem Russen. Atahuallpa zischte und fauchte und spukte und wedelte mit Blaettern, dass es eine Wonne war und dann war die Zeremonie irgendwann vor!bei und die Russen mussten los. Und siehe da, fuer die „Heilung“ waren 30 Dollar faellig. Da waere ich fast zum zweiten Mal vom Plastikstuhl gefallen, ich dachte, es waere eine Einladung… Ich wurde dann gefragt, ob ich bereit sei fuer die Zeremonie, ja sei ich , aber ich haette kein Geld! Es ging dann auch ohne und war wirklich ganz witzig, hab jetzt irre viel Kraft…

Am naechsten Tag sollte es ja eigentlich nach Quito gehen, aber dann war da dieser Wegweiser, der zur aeltesten Erdoelstadt in Ecuador wies, tiefer in den Regenwald hinein. Und da mich der Regenwald nun einmal deutlich mehr fasziniert als eine Stadt auf 3000m Hoehe, folgte ich ihm und fuhr zunaechst nach Coca, dort war es so schoen warm und feucht, sodass das kalte Bier nochmal so gut schmeckte. Es ist uebrigens der Ort, von dem vor langer Zeit die erste Expidition an die Atlantikkueste glueckte; das Gefuehl, Horst hier auf ein Boot laden zu koennen und den Amazonas entlang zu fahren, war schon witzig. Aber stattdessen ging es weiter nach Lago Agrio, besagter Oel-Pionierstadt und auf dem Weg dorthin war zwar nicht mehr viel vom Regenwald zu sehen, dafuer aber umso deutlicher, wie das Oel der Erde abgetrotzt wird, ueberall Pipelines, Pumpstationen, Stichstrassen. Ich hielt es fuer eine gute Idee, in dieser Stadt, quasi an der Quelle, einen Oelwechsel durchfuehren zu lassen, musste dann aber erfahren, dass das Oel keineswegs aus der Erde in Horstis Motor wandert, sondern einen kleinen Umweg ueber die USA macht.

Verlockend war der Gedanke, von Lago Agrio aus einfach ueber die Grenze nach Kolumbien zu fahren, lag sie doch nur 20 Kilometer entfernt und so ganz ebenerdig, sach ich mal. Doch die Kommentare der hierzu befragten Locals waren einstimig und eindeutig: Fahr da rueber und du bist tot.  Schliesslich gibt es sie noch, die kolumbianische Guerilla und im Regenwald, abseits der Hauptverkehrsadern, laesst man sich als Touri besser nicht blicken.

Also folgte die Passerklimmung, hab ich glaube ich schon erwaehnt, dass das kein Spass war und ich wurde auch nicht durch eine entsprechende aussicht belohnt, es war dann naemlich schon dunkel. Gut, ich Kulturbanause hab dann Quito ausgelassen und bin Richtung Grenze, wo ich tags drauf feststellte, dass dort brennende Reifen auf der Grenzbruecke lagen, wegen eines Indigena-Protestes. Also warten, am naechsten Tag war der Weg frei. Mittlerweile drehte sich das Wasser im Spuelbecken auch schon wieder andersrum.

Kolumbien empfing mich dafuer mit ganz neuen Eindruecken, im Vergleich zu den bisher bereisten Laendern wirkt es viel munterer, die Haeuser sind bunt angemalt, es gibt Blumen in Blumentoepfen und es liegt weit weniger Muell herum als ueberall sonst. Und jeder Motorradfahrer traegt nen Helm, es gibt irre viele Rennradfahrer und Jogger und die Menschen sind verdammt freundlich und in Pazifiknaehe ausschliesslich schwarz. Ja, auch hierhin wurden von den Spaniern Sklaven aus Afrika verschleppt, um auf Kaffee- und Zuckerrohrplantagen zu arbeiten. Die PanAm ist hier unvergleichlich schoen, windet sich lange durch den Nebelwald die Kordillere hinauf, fuehrt dabei durch viele kleine Orte, in denen man quasi durchs Wohnzimmer der Leute faehrt. In so einem Ort uebernachtete ich, in benzingeschwaengerter Luft und Laerm, der nie aufhoert…

So fuhr ich tapfer bis Medellin, durch das ebenfalls wunderschoene Valle del Cauca, wo unter subtropischen Bedingungen in 1200m Hoehe der Kaffee waechst, weiss ich jetzt also auch, wo der herkommt.  Unterbrochen wurde die Fahrt nur durch eine Polizeikontrolle, nichts Besonderes, die gibt es hier alle paar Kilometer. Besonders jedoch in der Hinsicht, dass der Beamte, im Gegensatz zu allen seinen Kollegen, die mir seit der Grenze untergekommen waren, nicht nur mal einen Blick ins Auto werfen wollte, um dann freundlichst eine gute Weiterfahrt zu wuenschen, sondern er sich auf unangenehmste Weise breitmachte und alles inspizierte. Schliesslich bemerkte er das Fehlen einer kolumbiansichen Versicherung und drohte nach weiteren endlosen Minuten, das Auto still zu legen. Auch die Geschichte, dass die Police unter den in Peru gestohlenen Papieren war, machte ihn nicht gluecklich. Das vermochte nur der huebsche 20.000 Peso-Schein, zu dessen Weggabe ich mich durchgerungen hatte, als der Bulle nach 40 Minuten das bessere Sitzfleisch bewiesen hatte.

Medellin, ehemals Stadt der Drogenbarone, ist mittlerweile eine moderne Metropole. Beim Einfahren in die Stadt misstraute ich kurz meinen mueden Augen, es fuhr eine Metro! Die erste, die ich  seit einem Jahr sah. Und um die hoehergelegen Stadtteile an das Oeffi-Netz anzubinden, betreibt die Stadt Seilbahnen. In Medellin besuche ich Alexa, eine Deutsche, die hier an der deutschen Schule unterrichtet und eine Streetdance-Schule betreibt. Und dann steht endlich die Karibik auf dem Programm, Cartagena, ich komme!


Zorritos, 6. Juli 2009

6. Juli 2009

Ausgeraubt abgezockt. In der Reihenfolge. Tja, da hatten wir doch bis jetzt eigentlich immer Glueck und kaum ist die Hellimaus weg, passiert mir gleich zweimal sowas. Just an Orten, die als „supersafe“ galten. Was bleibt, ist eine Stinkwut und das Beduerfnis, unglaublich laut DeathMetal zu hoeren…

Doch der Reihe nach. Nach der Zitterpartie um die geplante Flughafensperrung in Cusco um Helkes Rueckflugtermin war ich ja erstmal froh, dass sie und die Kids gluecklich im Flieger sassen. Noch gluecklicher, als die Meldung von der heilen Ankunft in Bremen kam. Ich verbrachte die Tage noch in Cusco, auf dem Camping dort war eine Gruppe von 12 Leuten schon eine Weile zusammen, die Stimmung familiaer. Zusammen besuchten wir das Fest Inti Raymi, Wintersonnenwende, alter Inkabrauch, der aber noch mit einem realen Hintergrund vollzogen wird, u.a. war natuerlich die politische Lage in Peru Thema. Danach wurde Horsti zum letzten Mal umgeraeumt und auf sein Dasein als Single-Wohnung eingestellt. Los ging es dann am 25.6., noch einmal nach Urubamba, zu Conni, einer Hamburgerin, die dort einen Camping betreibt und viele Locals kennt. Sie war so nett, mich mit in ein staedtisches Krankenhaus zu nehmen, wo ich eine lange Fuehrung von der diensthabenden Aerztin bekam, das war auesserst beeindruckend, leider sind die Fotos mitsamt der Kamera futsch. Der geliebte Garmin uebrigens auch…

Das Krankenhaus ist baulich in einem grotesken Zustand, Loecher in der Decke, Schimmel an den Waenden, Einrichtungen, die man bei uns nur im Museum sehen kann. Die Docs arbeiten taeglich 8-12 Stunden, nachts wird mehr auf freiwilliger Basis ein Rufdienst organisiert.  Der monatliche Verdienst betraegt in etwa 400 Euro. Roentgen gibts keins, einen OP auch nicht, dazu wird nach Cusco verlegt, ca. eine Stunde Fahrtzeit. Allerdings gibt es in Peru Kliniken jedweder Coleur, wer mehr Geld hat, kann in eines der besseren, privaten Krankenhaeuser gehen.

Ich fuhr dann weiter nach Nasca, wo die gleichnamigen Indianer ihre unvergleichlichen Geoglyphen hinterlassen haben, vgl.

http://de.wikipedia.org/wiki/Nazca-Linien

http://www.uni-heidelberg.de/presse/news07/2703nasc.html

die -fast 2000 Jahre alt- auch ohne Rundflug nur vom Aussichtsturm aus schon sehr beeindruckend waren. Fotos, tja, siehe oben. Danach ging es nach Huacachina, einer kleinen Oase bei Ica, dort nahm ich Kontakt zu einem Hostel auf, das mir empfohlen worden war und in dessen Naehe ich das Auto parkte. Nun nahm die Nacht ihren Lauf, zunaechst an der Bar, spaeter in einer Disco im Ort und als ich dann in der Fruehe wiederkam, stand Horstis Beifahrertuer offen und es war mal wieder alles durchsucht. Computer, Kamera, Gps, Rucksack u.v.m. weg, bloederweise auch mein Pass und mal wieder der Langhaarschneider und der Akkuschrauber, ich weiss nicht, warum die Diebe darauf so abfahren, war ja auf der Faehre genauso. Und das Autoradio haben sie auch wieder nicht geklaut.

Der Besuch bei der Polizei mit dickem Kopf war dann ein Kapitel fuer sich und hat auch einen halben Tag gedauert, zuerst wird alles schoen von Hand aufgeschrieben, dann mit dem Oberwachtel zur groesseren Stadt gefahren, dort muss er im Polizeirevier unter den vielen anwesenden Beamten einen davon ueberzeugen, den Schrieb abzutippen, was widerwillig und langsam geschieht und dann wird das Ganze gedruckt. Zuerst traute ich meinen Augen nicht, als der Polizist zwei Blaetter mit Durchschlagpapier in den Drucker legte, aber dann war mir schnell klar, dass die Idee nicht dumm ist, schliesslich dauert so ein Ausdruck mit dem nicht mehr ganz frischen Nadeldrucker so gefuehlte fuenf Minuten.

Ich also nach Lima, die Stadt ist recht haesslich, die meisten fahren grad dran vorbei. Ich musste ja nun zur Botschaft und um in dem Verkehr zu bestehen, habe ich laut Beastie boys gehoert, das verleiht einem ein gewisses Mass an Aggressivitaet, sonst kommt man da niemals irgendwo an. Die deutsche Botschaft laesst sich ihren Service dann auch satt bezahlen, vorlaeufiger Pass 70 Euro. Die wollen ja auch leben…

Froh, dann Lima mit seinem in den Wintermonaten staendig bedeckten Himmel entfliehen zu koennen, dueste ich die PanAm hoch, bis nach Trujillo, hier gibt es eindrucksvolle Ueberreste der Chimu-Kultur zu bewundern, Pyramiden und Palaeste aus Lehmziegeln, ca. 1000 jahre alt. (2. Bild)

Pazifik, wie man ihn sich wuenscht

Pazifik, wie man ihn sich wuenscht

Von dort fuhr ich Huanchaco an, kleines Badeoertchen vor den Toren Trujillos, traumhafte Welle, aber immer noch bedeckter Himmel (Foto3) und der Pazifik  zu kalt zum Baden um diese Jahreszeit. Abends bin ich in die Stadt, wollte mir noch mal die Kolonialbauten anschauen, komme aber mit nem Typen ins Gespraech, der ein bisschen Deutsch kann und wohl in einer Band spielt und nebenbei Sprache studiert. Sein Kumpel ist auch mit von der Partie und wir gehen was Essen, anschliessend was trinken. Im Nachhinein ist alles so klar. Sie haben als Naechstes Auftritte in Ecuador, dort bezahlt man in Dollar, kriegen sie aber nicht am Automaten und die Wechselstube hat -ach wie dumm- schon zu. Ob ich nicht mit meiner Karte Dollar abheben koennte und sie bezahlen in Soles. Hab ich erst nicht gewollt, zumal ich die Karte aus Sicherheitsgruenden nicht dabei hatte. Irgendwann wars dann aber doch soweit. Au mann, darf man eigentlich niemand erzaehlen, vor allem nicht, dass ich dann auch noch meine Karte im Automaten vergessen habe. Das Geld, was ich bekommen hatte, war falsch, wie sich die geneigte Leserin/ der geneigte Leser sicherlich schon gedacht hat. Hab ich dann spaeter auch erfahren, als sich der Barmann ueber den falschen Hunderter kaputtlachte. Der naechste Tag war nicht schoen. Ich musste ja noch mal in die verfluchte Stadt, um bei der Bank zu erfahren, dass man gar nichts bezueglich der Karte machen koenne, die Automaten werden von einer Drittfirma verwaltet. Und die ganze Zeit diese Mordgelueste.  Ich nutzte den Tag dann noch, um meinen Kilometerrekord zu brechen und das Hoerbuch von Hape Kerkeling „Ich bin dann mal weg“, was ich an dieser Stelle jedem innig ans Herz legen moechte, half, die Stimmung zu normalisieren.

Chan-Chan, ehemals groesste Stadt Suedamerikas

Chan-Chan, ehemals groesste Stadt Suedamerikas

Am Ende des langen Tages schlug ich dann hier,  im Hostal Casa Grillo (www.casagrillo.net) auf und dann war auf einmal alles so, wie man es sich immer wuenscht: Angenehme Temperatur, endlich auch mal nachts warm, keine Muecken, ganz tolles Hostal mit super Leuten und Campen direkt am Strand. Dazu ein angenehm warmer Pazifik. (Erstes Bild)

Und hier bin ich jetzt. Morgen gehts nach Ecuador, hoffentlich gibts keine Probleme wegen des Pass…

Pazifik, gewoehnungsbeduerftig

Pazifik, gewoehnungsbeduerftig


28.6.2009, Alemania…

29. Juni 2009
Ja, es gibt uns noch, und diesen Blog auch noch, und er wird auch noch gefüttert…Das Schreiben dieses Blogs fühlt sich heute ein bisschen an wie das Ausfüllen der Einkommensteuererklärung: ich bin spät dran…. Paula, Tom und ich sind nämlich schon in Deutschland. Langsam gewöhnen wir uns an all die Dinge, die hier anders sind als „drüben“: warme Nächte, leise Autos, warmes Wasser aus dem Hahn, dreilagiges Toilettenpapier, welches man auch wieder in die Toilette werfen darf, Tastaturen mit Umlauten, Schwarzbrot, Käse, Nutella,…

Was fehlt? Die Märkte, der Trubel, die Stille, die Herzlichkeit auf der Strasse, Jülsch, Horst, das Neue, Andere, das tägliche Staunen. Vielleicht ist es aber noch ein bisschen früh zum Reflektieren, ich werde mich nun erst mal auf die letzten 6 Wochen stürzen und „in Kürze“ berichten:

Deutsches Generalkonsulat Sucre
Deutsches Generalkonsulat Sucre

Nach der trubeligen Fülle der stark indigen geprägten Minenstadt Potosi haben wir Sucre besucht, offizielle Hauptstadt Boliviens (in La Paz ist „nur“ der Regierungssitz). Sucre ist wunderschön und geprägt von großzügigen Kolonialbauten, Plätzen, Museen….. Nach den vielen neuen, fremden Eindrücken unserer ersten Tage in Bolivien boten sich hier der Raum und die Gelegenheit, diese einmal sacken zu lassen. Zum Beispiel im Patio des deutschen Generalkonsulats, wo wir ein gemütliches Frühstück genossen haben. 

 

Sucre, mediterranes Flair

Sucre, mediterranes Flair

 

Zwischen Sucre und Santa Cruz

Zwischen Sucre und Santa Cruz

Jülsch hat die Gunst der Stunde (der Entspannung…) genutzt und mich zu einem kleinem Abstecher ins Chapare überzeugt, Cocaanbaugebiet Nr.1 in Bolivien und: Regenwald! Fünf Tage keine höhenbedingte Atemlosigkeit, keine kalten Nächte, statt dessen laue Sommerabende, feucht-heisse Tage, herumtollende Äffchen in den Bäumen, idyllischer Urwaldfluss „um die Ecke“ und Sandflys…. Ich muss zugeben, trotz allem Staunen über die Schönheit und Üppigkeit der Vegetation und die Freude über wildes Vogelgezwitscher (endlich, endlich!!)  habe ich mich nicht sehr gut benommen. Ich bin glaube ich doch eher für die gemäßigten Klimazonen bestimmt. Jülsch hingegen hat die Tage sehr genossen… Sorry, Jülsch, das dieser teil so kurz ausfällt,vielleicht willst Du ja später noch was ergänzen (grins…)!

Abfahrt nach Chapare

Abfahrt nach Chapare

Da findet paula Affen noch suess

Da findet Paula Affen noch süess (bis einer sie ins bein gebissen hat...)

 

Auf der Strasse in Villa Tunari

Auf der Strasse in Villa Tunari

Horsti gut getarnt im Jungel

Horsti gut getarnt im Jungel

 

...und wieder zurueck in die Kaelte und Hoehe des Altiplano

...und wieder zurueck in die Kaelte und Hoehe des Altiplano

 

Hinauf nach La Paz

Hinauf nach La Paz

 

La Paz

La Paz

Die folgenden dann allerdings nicht mehr so sehr: für La Paz stand für Horst ein Werkstattaufenthalt an, weil die Bremsen seit einer Weile sehr unregelmäßig bremsten, und defekte Bremsen in den Anden möchte man nicht haben…. Da der allgemein empfohlene Touri-Schrauber keine Zeit hatte, haben wir uns für einen anderen entschieden. Dieser fing auch an mutig draufloszuschrauben, schien aber nicht wirklich zu wissen, was er da eigentlich tat. Schlussendlich hat Jülsch 2 volle Tage in der Werkstatt verbracht und versucht, das Schlimmste zu verhindern, während ich mit den Kindern ein bisschen La Paz erobert habe und uns mit Wollsachen gegen die Kälte im Hostel, in dem wir die Tage über gewohnt haben, eingedeckt habe.

La Paz ist eine spannende Stadt voller Gegensätze, die sich munter vermischen, ohne das es grotesk wirkt. Man läuft an Bankenhochhäusern mit Spiegelverglasung vorbei und 300m weiter verkauft eine Indigena auf dem Zaubermarkt getrocknete Lamaembryos…. So halt. Mir hat es gefallen, es gab viel zu entdecken und sogar die Kinder wurden in den Bann der Stadt gezogen. Kann auch an dem Fernseher im Hostelzimmer gelegen haben… Und Horst? Und die Bremsen? Die gingen anschließend gar nicht mehr, aber dafür wenigstens gleichmäßig gar nicht…. Aber auch das hat sich nach ein paar Tagen auf wunderbare Weise ganz von selbst gegeben. Vielleicht sollten wir in Zukunft mehr auf die Selbstheilungskräfte unseres alten Horsti vertrauen, das spart Nerven!!

Schuhputzer

Schuhputzer

 

Diese Faehre faehrt mit Aussenboardmotor ueber den Titicaca-See

Diese Faehre faehrt mit Aussenboardmotor ueber den Titicaca-See

 

Auf der Sonneninsel

Auf der Sonneninsel

Nach La Paz stand also mal wieder „Erholung“ auf dem Programm, das haben wir dann auch ausgiebig gemacht, nämlich in Copacabana am Titicacasee. Ein ganz schönes Fleckchen Erde. Mit Strand und Forelle gegrillt, gebraten, geschmort, gedünstet,…..

Von dort aus haben wir einen Ausflug zur Sonneninsel gemacht, von dort aus sollen einst der erste Inka und seine Frau vom Schöpfergott Wiracocha in die Welt geschickt worden sein diese zu beherrschen. Die kleine Insel ist wunderschön, trotz Tourismus noch sehr ursprünglich und bescheiden. Wir haben die Insel einmal längs durchwandert (da ziehe ich vor den Kindern immer noch den Hut: 12km auf und ab auf 4000m rechne ich ihnen hoch an…) und dann am Südende der Insel in einem Hostel mit Blick auf den See übernachtet. Sehr, sehr schön.

Auch am Titicaca-See geht die Sonne unter

Auch am Titicaca-See geht die Sonne unter

Dann hieß es auch schon Abschied nehmen von Bolivien nach kurzen, aber intensiven 4 Wochen. Unser „Start“ in Peru hat dann allerdings keine Zeit zur Trauer gelassen: kaum über der Grenze haben wir an einer kleinen Garküche gegenüber einer Schule gehalten und einen (sehr leckeren!!) Happen gegessen. Da klingelte es auch schon zum Schulschluss und wir waren umringt von vielen, vielen Kindern die uns Löcher in den Bauch gefragt haben!! Sowenig Scheu und soviel Offenheit waren wir aus Bolivien nicht gewöhnt, das hat sehr viel Spaß gemacht und Lust auf mehr Peru….

Horst als Vereinsauto

Horst als Vereinsauto (an besagter Schule in Peru)

 

Uralte Grabtuerme

Uralte Grabtuerme auf dem Weg nach Puno

 

Die schwimmenden Inseln der Uros im Titicaca-See

Die schwimmenden Inseln der Uros im Titicaca-See

Unser nächster Stop hat mit persönlich allerdings nicht so gefallen, nämlich der Besuch der Uros auf den „schwimmenden Inseln“ von Puno aus. Die Uros lebten traditioneller Weise auf Inseln aus Schilf, bauten Boote aus Schilf, Häuser aus Schilf…. „Echte“ Uros gibt es eigentlich nicht mehr, die Nachfahren leben zum Teil auf extra angefertigten Touristeninseln und das Ganze wird in Zusammenarbeit mit der Stadt auf, nach meinem Empfinden, eher unangenehme Art vermarktet. Spannend ist es trotzdem und wenn man mit der Vorstellung, in einem interaktivem Museum zu sein, dorthin fährt, kann man es auch genießen.

Inca-Haengebruecke aus Algavenfasern

Inca-Haengebruecke aus Algavenfasern

 

Tommi skypt an seinem Geburtstag mit Oma

Tommi skypt an seinem Geburtstag mit Oma

Von Puno aus ging es weiter nach Cusco, dort haben wir zunächst nur einen Kurzen Zwischenstop gemacht und sind ganz bald nach Cachora aufgebrochen. Doch halt, erst haben wir natuerlich noch in Cusco auf dem gemütlichen Camping sehr beschaulich Tommis Geburtstag gefeiert. Mit einer riesigen rosa Geburtstagstorte (auf speziellen Wunsch der Hauptperson!!!), Telefonieren nach Deutschland und wunderbarerweise auch noch weiteren Kindern (aus Kanada) Jetzt istder kleine Tommi schon 5…

Also : von Cusco aus ging es ins Berdörfchen Cachora, und von dort aus sind wir zu unserer „Abschlussreise“ aufgebrochen, einer Wanderung zu den Inkaruinen nach Choquequirao. Ich nenne das immer „Vier-Sterne-Wanderung“, weil wir außer Laufen nix selber gemacht haben: die Kinder saßen auf Pferdchen, das Gepäck wurde von zwei Maultieren getragen und außerdem haben uns noch zwei Einheimische begleitet und bekocht. Wow! Allerdings war der Trail für mich Ungeübte auch so fordernd genug: gut 70km in 4 Tagen mit insgesamt 7000 Höhenmetern, da hätte ich auch nicht viel tragen können…. Die Strecke war traumhaft, ohne Worte, ich mache trotzdem welche: zunächst ging es auf einem Höhenweg mehr oder weniger den Berg entlang, dann ziemlich steil die recht karge Schlucht des Rio Apurimac hinunter.

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Der Weg: hinab zu Rio Apurimac

Zweite Übernachtung (in Marampata)

Zweite Übernachtung (in Marampata)

Übernachtet haben wir kurz oberhalb des Flusses in einer idyllischen Oase, wo unerwarteterweise die leckersten Tropenfrüchte wuchsen. Am zweiten Tag ging es dann auf der anderen Seite wieder hoch, die Vegetation wurde üppiger und üppiger und man hatte ehre das Gefühl in den Subtropen zu sein und nicht im Hochland. Die Inka, diese Füchse, wussten schon genau, wo sie Ihre Städte bauten….

Sonnenaufgang, ganz ganz früh

Sonnenaufgang, ganz ganz früh

Am dritten Tag sind wir dann die letzten Kilometer zu den Ruinen gelaufen. Ein faszinierender Ort auf einem Bergkamm mit traumhafter Aussicht in gleich 3 Täler und faszinierenden Bauten, insbesondere die Terrassen, welche für den Anbau angelegt waren haben mich in ihrer Steilheit fasziniert.

Choquequirao, Wohnbereich

Choquequirao, Wohnbereich

 
Terassenbau der Inka in Choqueqirao

Terassenbau der Inka in Choqueqirao

... und noch mehr...

... und noch mehr...

 Tja, und dann alles wieder zurück…. Insgesamt ein großartiger Ausflug. Paula und Tom saßen vier Tage lang stolz wie die Schneekönige auf Ihren Tieren und „die Grossen“ haben es genossen, sich auch mal körperlich verausgaben zu können und das in einem so großartigen Setting…

Mit einem Umweg über ein weiteres Thermalbad und das heilige Tal der Inka mit Übernachtung in Urubamba und Pisaq haben wir uns dann auf den Rückweg nach Cusco gemacht und so langsam unsere Heimreise eingeläutet.

 Cusco war die Tage über recht unruhig. Zum einen war die Stadt voll von „Vorfeiern“ zum großen Sonnenwendfest Inti Raymi, welches am 24.6. stattfand. Zum anderen gab es auf verschiedenen Zufahrtsstrassen nach Cusco Straßenblockaden (und gibt es noch) aus Protest gegen das Vorgehen der Regierung gegen indigene Demonstranten in der Amazonasregion, welche gegen den Verkauf ihres Landes an ausländische Konzerne zur Ölgewinnung protestiert hatten. Ca 2 Wochen zuvor war es dabei zu gewalttätigen Ausschreitungen mit vielen Toten gekommen. Weiterhin hat die Regierung Pläne, das Wasser in Peru zu privatisieren, was hieße, dass die Campesinos auch für ihr Bewässerungswasser aus Bächen und Quellen Geld zahlen müssten. Um ihren sehr verständlichen Unmut darüber zu äußern hatten sich Hunderte von Campesinos aus dem Umland auf den Weg nach Cusco aufgemacht mit dem Ziel den Flughafen zu besetzen und das Sonnenwendfest zu boykottieren…

 Wie dem auch sei, trotzdem haben wir unseren Flieger bekommen, die Proteste in Cusco halten an, es wird weiter gestreikt und blockiert und demonstriert, nur leider reicht mein Spanisch nicht aus, um den Fortgang inhaltlich stimmig dem Cuscoer Tageblatt zu entnehmen, ich warte auf Post von Jülsch mit weiteren Einzelheiten.

Auf diesem Wege möchte ich auch herzlichste Grüsse an meinen Technical Adviser schicken, er weilt im Urlaub. Peru, Equador, so genau weiss ich es nicht… Viel Spass, lass die S… raus und nimm die kleinen tecnischen Ungenauigkeiten dieses Blogs gelassen…..


Potosi, 16.05.09

18. Mai 2009

Der letzte Eintrag ist ja schon ganz schoen lange her, faellt mir auf. Interessiert sich noch jemand für unsere Reise, frage ich mich? Nicht dass davon ein Blogeintrag abhängen würde, nein, das ist ja auch für uns selber, was wir hier so schreiben. Aber interessieren wuerde es mich schon. Zumal wir in Gedanken ja schon sehr oft wieder zu Hause in Deutschland sind, bei unseren Freunden, Eltern und Kollegen. Dabei sind wir in Südamerika wie nie zuvor. Endlich, muss man sagen. Denn so schön die Reise bislang war, soviele Eindruecke wir auch gewonnen haben und Menschen wir treffen durften und Landschaften wir gesehen haben, desto mehr merken wir gerade, was in Südamerika eigentlich geht.

Was ist passiert? Nun, wir haben vor ca. 1 Woche die Grenze nach Bolivien überquert und seitdem intensive Erlebnisse gehabt. Doch der Reihe nach.

Auf dem Weg nach San Antonio de los Cobres

Auf dem Weg nach San Antonio de los Cobres

Von Salta aus ging es nach Norden und fast schlagartig änderte sich der Eindruck, den wir von Argentinien hatten. Gibt es im Süden und den von uns bisher bereisten Bereichen kaum Spuren von präkolumbianischem Leben, so nehmen diese im hohen Nordwesten doch rapide zu. Es wird fast ausschließlich mit Lehm gebaut, die Menschen weisen unverkennbare Zeichen ihrer Abstammung von Quechua und Amayara auf und die durch den Koka-Pfriem bedingte dicke Backe ist allgegenwärtig. Die Dörfer und Städte, die man antrifft, sind viel älter als alle Siedlungen, die wir bisher antrafen. Es gibt gepflasterte Strassen, Kolonialbauten, traditionelle Lehmbauten. Mit Ausnahme der Minenstädte natürlich. Denn Grund fuer die grossartigen Farben, die uns in den Anden allerorts begegnen sind verschiedenste Erze, die den Berg ausmachen. Und so ist der Bergbau allgegenwärtig, im Norden von Chile, Argentinien und in den Hochebenen von Bolivien. Gold, Silber, Kupfer, Zinn, Zink, alles wird abgebaut.Eine solche Minenstadt ist San Antonio de los Cobres. Staubig, heiss. Schnell weg.

Ziemlich staubig hier...

Ziemlich staubig hier...

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Auf dem Weg lief uns dann ein uriges Restaurant über den Weg, mitten im Nichts. Hier lebt Sandro mit seiner Familie und wir wurden nicht nur erstklassig bewirtet (Lama, lecker), sondern konnten auch dort nächtigen und einiges über das Leben der Familie erfahren.

In einem Dorf aus Lehm...

In einem Dorf aus Lehm...

Weiter ging es auf der legendären Routa 40 zu den Grande Salinas, wo Speisesalz gewonnen wird.

Salinas Grandes, Nordargentinien

Salinas Grandes, Nordargentinien

Prise Salz gefaellig?

Prise Salz gefaellig?

Nach einer spektakulären Fahrt erreichten wir Pumamarca, ein hübsches Örtchen, bekannt fuer seinen „Berg der sieben Farben“. Weiter ging es nun strikt nach Norden, auf dem Weg lagen noch Tilcara und Humauaca, ebenfalls sehr schöne Örtchen, „tranquilo“, was wir sehr genossen haben.

so isses

so isses

hoch

hoch

runter

runter

Berg der sieben Farben bei Pumamarca

Berg der sieben Farben bei Pumamarca

Kurz vor Bolivien legten wir noch einen Stop am „Lago de Pozuelos“ ein, eine Hochlandlagune, bekannt für ihre Flamingos und Llamas. Hier ging es dann los. Höhe, heisse Tage und eiskalte Nächte, so um -15 Grad, setzten uns zu. Paula spuckte mitten in der Nacht den ganzen Bus voll, das bedeutete in klirrender Kälte Bett abziehen, Kind und Horst grossflächig reinigen und irgendwie alle wieder aufwärmen. Dementsprechend hatten wir am nächsten Tag den ganzen Bus voller Dreckwäsche, dazu mal wieder einen Reifenschaden, und was Horst morgens von den Temperaturen hält, sieht man auf dem Bild.

sogenannter Hochnebel

sogenannter Hochnebel

Also auf ins äußerst trostlose Städtchen auf der argentinischen Seite der Grenze zu Bolivien, auf dem Weg habe wir noch einige Mütter mit ihren Kindern mitgenommen, die per Autostop auf dem Weg in die Schule waren.
Nur gibt es in La Quiaca keine Wäscherei. Zum Glück fanden wir im nahegelegen Yavi ein schönes Hostal, wo wir uns einmieteten und -wuschen. Helke vielmehr. Ich durfte mal wieder die Wasserpumpe tauschen, sie hatte nach der Reparatur in Chile (s.u.) Spiel entwickelt und das Fett flog heraus. Also baute ich die vorsichtshalber schon besorgte argentinische Austauschwasserpumpe ein und weiter gings -nach Bolivien, endlich.

Bomba de Agua, die Zweite

Bomba de Agua, die Zweite

Villazon, die Stadt jenseits der Grenze, erwartete uns mit einem schier unglaublichem Angebot an Waren aller Art, ja auf jedem Quadratmeter der Stadt schien ein Stand zu sein. Von argentinischem Fleisch bis zu chinesischer Elektronik gab es alles, unter anderem auch einen neuen Reifen für uns, es hatte sich nämlich herausgestellt, dass die zwei Reifen, die wir in Salta gekauft hatten, grösser waren als die, die wir aus Deutschland mitgebracht hatten, bei gleicher nomineller Dimension, versteht sich. Naja, mittlerweile freuen wir uns über jeden Fahrtag, den wir nicht mit einem Besuch in einer Gomeria, einer Reifenreparaturwerkstatt, beginnen.
So war es spät, als wir Villazon verliessen -wir machten erste Erfahrungen mit zu hoch angesetzter Strassenmaut und Polizei, die „Bearbeitungsgebühr“ verlangt- es wurde dunkel, die Strasse war schlecht und entgegenkommende Fahrzeuge unbeleuchtet. Also fragten wir bei einem Polizeiposten, ob wir dort am Strassenrand stehen dürften, was kein Problem war, nur die Rinne am Fahrbahnrand war eins, wir setzten Horsti mit der Anhängerkupplung auf und nachdem ich nochmal mit Vollgas ein Stück vorwärts gekommen war, hingen die Hinterräder quasi in der Luft. Es folgte eine deutsch-bolivianische Gemeinschaftsbergung, sehr zur Freude der Polizisten, die die Abwechselung in ihrem Programm ausgesprochen freundlich unterstützten. Mittlerweile an die Kälte gewöhnt, war diese unsere erste Nacht in Bolivien am Ende ganz entspannt. Das Problem ist nämlich, dass es in Bolivien so gut wie keine Campingplätze gibt und man sich dementsprechend über einen guten Pennplatz sehr freut.

Die nächste Stadt in Bolivien, Tupiza, empfing uns dann wieder mit überbordenden Märkten und vielen Eindrücken auf den Strassen, langbezopfte Mamis, die an der Strasse sitzen und aus einem grossen Topf Essen verkaufen, Saftverkäufer hinter ihren mit Orangen beladenen Wägen und immer wieder Menschen, die beim Anblick von Paula und Tom spontan in Liebkosungen ausbrechen, verbalen und physischen.

Der schmeckt nicht nur wie frisch gepresst, der ist es sogar

Der schmeckt nicht nur wie frisch gepresst, der ist es sogar

Es folgte die Fahrt nach Uyuni, hier gibt es den groessten Salzsee der Welt, auf dem wir zwei Tage verbrachten, Paula und Tom fuhren Fahrrad, Helke kämpfte mit aufmüpfigen Gedärm, bis heute sind wir alle mehr oder weniger verdauungsgestört.
Die Nacht vor und nach dem Salaar (Salzsee) verbrachten wir auf dem „Parkplatz“ eines Hostels, wiederum aus Ermangelung eines Campingplatzes.

Was macht der Horsti denn da?

Was macht der Horsti denn da?
Der Salaar de Uyuni

Der Salaar de Uyuni

Schatz, ich habe die Kinder geschrumpft

Schatz, ich habe die Kinder geschrumpft

...und ich das Auto!

...und ich das Auto!

Was man aus Salz so alles machen kann

Was man aus Salz so alles machen kann

Mittlerweile sind wir auch ganz gut im Übernachten auf öffentlichen Strassen, wenn alle mal vorbeigepilgert sind und gestaunt haben, hat man seine Ruhe.
Nach weiteren zwei Tagen Fahrt durch abwechslungsreiche Anden-Hochland-Landschaft, das sog. Altiplano, sind wir nun in Potosi angekommen und das ist nun mit Abstand die tollste Stadt, die mir bislang auf der Reise über den Weg gelaufen ist. Zu Fusse eines Berges, des „Cerro Rico“ -reicher Berg-, entwickelte sich durch Ausbeutung desselben eine prosperierende Bergbau und Handelsstadt, in der das bolivianische Leben tobt. Und heute konnte ich eine Führung durch eine Mine mitmachen, was ziemlich irre war.

Strassenszene in Potosi

Strassenszene in Potosi

Man muss dazu wissen, dass dem cerro rico schon seit 500 Jahren seine Substanz geraubt wird, zuerst von indianischen Zwangsarbeitern, die Silber fuer die spanische Krone abbauten, ca. 8 Millionen sind dabei gestorben. Mittlerweile bauen mehr oder weniger freischaffende Bergarbeiter unter nicht wesentlich veraenderten Bedingungen andere Erze ab, Lebenserwartung um die 40 Jahre. Jeden Tag werden zig Tonnen Gestein aus dem Berg entfernt, er gleicht einem Schweizer Kaese. Seine Hoehe betrug frueher einmal 5100 Meter, mittlerweile sind es noch 4800.

Die Arbeiten werden von allen Beteiligten, u.a. vielen sehr jungen Arbeitern, 13, 14 Jahre alt, mit der Hand bewaeltigt, nur in wenigen Stollen gibt es Maschinen. Um die Arbeit ueberhaupt zu ertragen, wird Koka gekaut, 96-prozentiger Alkohol getrunken und schwarzer Tabak geraucht.

Als Vorbereitung auf die Exkursion in die Mine werden diese Dinge eingekauft, ausserdem Dynamit, das freut den Bergarbeiter. Dann geht es hinein in den Stollen und jeder deutsche Bauherr, der auch nur beim Bau einer Gartenlaube so vorgehen wuerde, wie es in diesen Minen seit Jahrhunderten geschieht, waere sofort im Knast. Wackelige Stiegen, unbeleuchtete, ungekennzeichnete Stollen, keine Frischluftzufuhr, ueberall Steinsammlungen, die bei der naechsten falschen Bewegung in die Tiefe rauschen. Es war abenteuerlich. Aber eindrucksvoll. Und dabei gilt seit Urzeiten St. Annaberger Bergrecht.

Fertig zum Einfahren

Fertig zum Einfahren

Handarbeit ueberall

Handarbeit ueberall

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Professionell gesicherte Stollen

Professionell gesicherte Stollen

Wir trafen in Potosi, dass wir von einem ganz huebschen Hotelparkplatz aus entdecken konnten, noch nette Leute, insbesondere haben wir uns ueber die Bekanntschaft mit Anja gefreut, die Paula und Tom auch gleich ins Herz geschlossen haben. Sie konnten eine Abwechselung von ihren Eltern auch mal wieder gut gebrauchen.

Aber bald werden sie die ja ohnehin haben, denn das Ende der Reise steht bevor: Helke wird Ende Juni mit den Kids von Cusco, Peru, nach Hause fliegen und Horsti und ich werden nach Kolumbien weiterfahren, um von dort aus zu verschiffen, bzw. in den Flieger Richtung Heimat zu steigen. Das wars dann, mit der grossen Reise. Aber bis dahin bleiben noch ein paar Wochen und wir sind fest entschlossen, diese noch zu geniessen. Wir werden erneut berichten.

Potosi und die verrueckten Anden aus der Luft:

http://maps.google.es/?ie=UTF8&ll=-19.766704,-65.753174&spn=0.920161,1.235962&t=h&z=10


5. April 2009

19. April 2009

Ereignisreiche 2 1/2 Wochen liegen hinter uns, ich muss mich erstmal sammeln und ordnen….
Juelsch hatte zuletzt davon berichtet, dass wir uns entschlossen hatten, die Grenze nach Chile zu ueberqueren und dort auf der verlockend gradlinigen, asphaltierten Panamerikana gen Norden zu schippern um sicher zu gehen, dass wir Bolivien auch wirklich noch rechtzeitig erreichen…. Gesagt, getan: am Dienstag vor 2 Wochen sind wir in San Martin de Los Andes aufgebrochen und ein einsames Schotterstraesschen entlang an zwei einsamen Grenzposten vorbei zum Lago Pirihuapi gefahren. Da es entlang dieses Sees keine Strasse gibt, sind wir mit Horst 1 1/2 Stunden Faehre nach Puerto Fuy gefahren und drueben angekommen war irgendwie alles anders: chilenisch eben.

Auf der Faehre nach Puerto Fuy

Wir haben in den kommenden Tagen viel geraetselt, was denn den gefuehlten Unterschied eigentlich ausmacht, denn auch die Landbevoelkerung in Suedchile ist arm und in der Gegend um Puerto Fuy gibt es viel Mapuche-Land. Der Haupteindruck fuer mich ist, dass das Leben weniger mutlos wirkt. Man bestellt seinen Garten, man kuemmert sich um sein Feld, und wenn es noch so klein ist, und an den Strassen wird viel Selbstgemachtes verkauft. Nunja. Wahrscheinlich muss man wirklich hier leben, um das wirklich beurteilen zu koennen.

Die naechsten Tage sind wir dann durch malerische „kalte“ Regenwaelder gefahren, an schneebedeckten Vulkanen vorbei und wiedermal an Seen, Seen, Seen…. Und wir haben einen grossen Vorteil der Vulkanregion mehrfach genossen: es gibt dort Unmengen heisser Quellen! Die erste Therme, die wir besucht haben, hatte drei kleine Schmimmbecken zwischen 25 und 42 Grad und zur grossen Freude der Kinder ein Schlammbad…. Pauli, die sonst nur aeusserst ungern oberhalb des Bauchnabels nass wird, weil Wasser ihr grundsaetzlich zu kalt ist, hat sich mit grosser Freude in das 38 Grad-Becken gestuerzt und aus freien Stücken mal eben Schwimmen gelernt! Zumindest wird sie in der Badewanne nun nicht mehr untergehen…

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Es folgte ein kurzer Abstecher nach Pucon. Pucon ist „das internationale Zentrum des chilenischen Tourismus“, so unser Reisefuehrer. Zielgruppe wahrscheinlich 20-40jaehrige, es wird alles angeboten, was der mal Eben-Im-Vorbeigehen-Noch-Ein-Bisschen-Outdoor-Menschen so freut: Vulkanbesteigen, Reittouren, Mountainbiken, Canopy, Canyoning, Thermen-Touren bei Nacht (no Sex, no Drugs, no Alcohol…), Skilaufen…. Hab ich was vergessen? Wir haben uns auf Essen und Internetten beschraenkt und haben uns, auf den Geschmack gekommen, aufgemacht zu einer weiteren Therme, haben uns dann aber durch verschiedene Hinweise in Buechern und an der Strasse an das Ende eines huebschen Tals zur „Rancho de Caballos“ leiten lassen. Und haben uns wiedergefunden in einer Petterson -und-Findus-Idylle: kleine und groessere Holzhaeuschen, hier eine Lagerfeuerstelle, da ein Blumenbeet, ein Baechlein rauscht durch den Garten das Pferd steht im Gemuesegarten und knabbert genuessliche den Kohl und der eigentliche Wachhund freut sich wild ueber neue Spielgefaehrten. Und dazu Christa und Wolfgang, zwei grossherzige, offene unkomplizierte Menschen, die vor 20 Jahren dort begonnen haben, sich ihren Lebenstraum zu verwirklichen und trotz diverser Stolpersteine tapfer ausharren. Horsti wurde in eine gemuetliche Ecke des Grundstuecks bugsiert und da haben wir uns dann fast eine Woche lang das Leben huebsch gemacht mit gemuetlichen Alltaeglichkeiten, Lagerfeuer, kleinen Ausfluegen in den Wald und an die Wasserfaelle und, ja, und einer kleinen Reittour. Aua, kann ich da nur sagen…. aber der Spass war gross und die Landschaft mit Ausblick auf den rauchenden Vulkan Villarrica ebenso.

Vulkan Villarica

Vulkan Villarica

Ach ja: und Juelsch hat die Seibahn in dem „Abenteuerspielplatz“ nebenan, den Christa und Wolfgang vor Jahren mal gebaut haben, repariert. Oder zumindest fast: der Schlitten ging ab wie die Lutzi, aber die Bremse wollte nicht bremsen und so kam es dann, dass ich doch tatsaechlich zum ersten Mal seit unserer gemeinsamen Zeit Angst um Juelschis Leben hatte…. Auch eine Erfahrung! Aber irgendwas hat dann doch gebremst und so konnten wir unsere Reise gluecklich und zu viert fortsetzten…

Auf der Rancho de Caballos

Auf der Rancho de Caballos

Und diesmal haben wir es wahrgemacht und sind tapfer auf die Panamericana, die dort sogar Autobahn ist, gefahren, und ohne wesentliche Unterbrechung mit romantischen Naechten an der Autobahn und Kindern, die Autofahren nicht besonders leiden koennen. Das erste Mal wieder tief Luft geholt haben wir in einem kleinen Fischerdoerfchen ca. 400km noerdlich von Santiago. Die Veraenderung von Land und Leuten entlang dieser Strecke haben wir in erster Linie anden Obst-Gemuese- und Handwerksstaenden an der Strasse, deren es viele gab, wahrgenommen. Wurden im Sueden noch Tomaten und Aepfel verkauft, so wurde das Angebot gen Norden immer exotischer, zuletzt waren Papajas und Oliven ganz vorne an.
Eine sehr nette Begegnung hatten wir, als wir an einem kleinen scheinbar ausgestorbenen Landstraesschen gegenueber einem Bauernhoefchen zur Mittagspause anhielten. Es dauerte nicht lange, da stand die ganze Familie aus dem Haus auf der Strasse, kurze Zeit spaeter wurden wir mit Melonen und Feigen beschenkt, so eine unvoreingenommene grosszuegige  Gastfreundschaft moechte ich gerne mitnehmen…

Nach zwei gemuetlichem Tagen in diesem Fischerdoerfchen stand eigentlich der Plan, durch die Wueste weiter gen Norden zu fahren und erst in der Hoehe von Salta wieder nach Argentinien zu wechseln. Vorher wollten wir aber noch einen kleinen Abstecher ins Valle de Elqui machen, dem Tal wo die Piscotrauben herkommen, angeblich mit gewisser Regelmaessigkeit UFOs landen und es viele viele Sternwarten gibt. Ufos haben wir nicht gesehen, dafuer hatten wir einen beeindruckenden Abend in einem kleinen Observatorium mit dem wohlklingenden Namen Mamalluca. Ein chilenischer Astronom hat uns mit Herz in die Welt der Sterne eingefuehrt, uns den Mond und Galaxien und auch Saturn mit seinen Monden durch verschiedene Teleskope gezeigt. Wow! Nun gucke ich jeden Abend an den Himmel und schaue nach, ob Betageuze, der nachste Stern von dem erwartet wird, dass er zu einer Supernova implodiert, schon gestorben ist…

La luna, la luna...

La luna, la luna...

Ja. Und dann haben wir mal wieder unsere eigenen Plaene umgeworfen und sind (nachdem uns viele Reisende und Ortsansaessige auf die Einmaligkeit hingewiesen haben) doch schon vom Valle de Elqui aus entlang dem Rio Turbio ueber den Paso de Agua Negra ueber die Anden gefahren. Und da fehlen mir fast die Worte angesichts von soviel Schoenheit. Die Berge entlang dem Pass sind bunt, bunt, bunt, wie angemalt. Rot-gelb-orange-gruen marmoriert. Dazu blauer Himmel und Sonnenschein.

Huebsch, gell?

Huebsch, gell?

Uebernachtet haben wir an einem Stausee auf 3200m Hoehe bei schon merklich duennerer Luft, aber so ein Sauerstoffmangel scheint noch zusaetzlich zu beseelen.

Unser Uebernachtungsplatz an der Lagune auf dem Weg zum Paso

Unser Uebernachtungsplatz an der Lagune auf dem Weg zum Paso

Am naechsten Tag ging es dann weiter durch eine wahre Explosion der Farben bis auf 4780m Hoehe. Die letzten 200 Hoehenmeter fanden sich an den Seiten immer wieder sogenannte Büßerschneefelder, siehe Foto. Und spaetestens ab da kann man fast kaum glauben was man da sieht. so, so schoen, unglaublich.

Buesserschneefelder am Paso de Agua Negra

Buesserschneefelder am Paso de Agua Negra

Und gleich danach sind wir (aufgrund eines kleinen Hinweises in dem von mir eigentlich wenig geliebten Argentinienbuches von Lonely Planet) an dem naechsten unglaublichen Ort gelandet: in Rodeo, einem kleinen Surferparadies in der Halbwueste. Wahnsinn. Da sitzen taeglich viele, viele Surfer am Rande einer Lagune, vor einer Kulisse von schneebedeckten 6000ern und sandigen Wuestenhuegeln, und warten auf Wind. Und der kommt. Manchmal um 12, manschmal erst um 17h. Aber er kommt. Und dann geht die Wutz ab bei Windgeschwindigkeiten bis 120km/h. In der Halbwueste. Heute geht der Juelsch aufs Wasser, das laesst er sich doch nicht nehmen.

Surfen in Rodeo

Surfen in Rodeo

Und wie geht es dann weiter? In 10 Tagen treffen wir uns mit unseren Reisefreunden Goetz, Ute und Ben in Salta, bis dahin haben wir es ein bisschen weniger wild. Und dann freue ich mich schon jetzt wie eine Schneekoenigin auf den naechsten Andenpass…

18.April 2009

Nun hat es doch bis nach Salta gedauert, bis dieser Beitrag auf den Weg geschickt werden konnte; die Leitungen in Argentinien sind eben manchmal länger als anderswo… Und wieder waren die Tage bunt und ereignisreich, ich denke, hier werde ich mal die Fotos fuer sich sprechen lassen. Im Wesentlichen sind wir von Rodeo aus ueber die schon häufig erwähnte Routa 40 , mit kleinen Abstechern nach links und rechts, gen Salta gefahren. Es ist warm, endlich sieht man riesige Kakteen und Orangenbaeume, endlich sind die Doerfchen beschaulich und einladend.

Sandsteinformationen im Valle de la luna

Sandsteinformationen im Valle de la luna

Juelschis neuer Freund oder: Endlich Kakteen!

Juelschis neuer Freund oder: Endlich Kakteen!

Ueber diese schoenen Inkaruinen sind wir in der Naehe von Belen gestolpert

Ueber diese schoenen Inkaruinen sind wir in der Naehe von Belen gestolpert

Zu irgendwas muessen so kleine Tueren doch gut sein...

Zu irgendwas muessen so kleine Tueren doch gut sein...

In den Thermen von Los Nacimientos

In den Thermen von Los Nacimientos

Horst musste unten warten...

Horst musste unten warten...

Also gut:es waren Ex-Thermen. Viel Geroell und Muell, aber Wasser!

Also gut:es waren Ex-Thermen. Viel Geroell und Muell, aber Wasser!

Aparte Windhose auf dem Weg nach Cafayate - Horst war schneller!

Aparte Windhose auf dem Weg nach Cafayate - Horst war schneller!

In Salta angekommen wurden wir nett von Goetz, Ute und Ben sowie einer weiteren deutschen Familie mit zwei kleinen Kindern empfangen, Tom und Paula sind entsprechend kaum noch zu sehen, endlich KINDER!!! Horst wurde von Jülschi schon rührend aufgepäppelt und mit diversen Ersatzteilen bedacht und nun steht die Planung des letzten Teils der Reise an. Leider haben wir hier erfahren, dass es im gesamten Norden von Argentinien sowie im bolivianischen Tiefland, Paraguay, Uruguay und Brasilien seit Februar viel Denguefieber gibt, die Infos sind widersprüchlich und unzuverlaessig, aber irgendwas wird schon dran sein. Wir werden entsprechend unsere Plaene etwas aendern und das bolivianische Tiefland meiden, statt dessen gibt es noch ein bisschen Peru…. Genaues dann beim nächsten Mal!!


San Martin de los Andes, 15. März 2009

16. März 2009

Der letzte Blogeintrag ist schon eine Weile her. Und wir haben nach drei Monaten Patagonien in Richtung Norden verlassen! Patagonien, die unendliche Weite. Was verbinden wir nach gut 6.000 Kilometern mit diesem Begriff? Die Pampa? Die Anden? Auf jeden Fall unglaublich viel Wind und schlechte Strassen. Waren wir am Anfang noch entzückt über die frische Brise, die auf Höhe der Halbinsel Valdez die Hitze milderte, so änderte sich die Meinung zu dieser Naturerscheinung doch erheblich im Verlauf, wenn wir auf endlosen Schotterstrassen im frontalen Gegensturm Mühe hatten, die Nadel auf Horstis Tacho auf Bereiche jenseits der 70 km/h zu bekommen. Patagonien, das ist tatsächlich die vielbeschworene Steppe, die hier auch genauso heisst, aber landschaftlich ist es auch alles Andere, grüne präkordillerische Landschaften, Flüsse, Fjorde auf der chilenischen Seite, Gletscher, Thermen und -die schlechtesten Strassen die wir bislang erlebt haben. Und Horst auch. Und dummerweise beeinflusst das auch unsere Tage und Planung in nicht unerheblichem Masse.

Highspeed auf der Carretera

Highspeed auf der Carretera

Ripio, also die waschbrettartig geformte Schotterpiste, ist per se nichts Schlimmes. Allerdings hinterlässt sie nach hunderten von Kilomtern unweigerlich ihre Spuren, und das sind die Dinge, die uns immer wieder beschäftigen. Nach der Erneuerung der hinteren Blattfedern in Coihaique (siehe letzter Eintrag) fuhren wir zusammen mit der wiedergetroffenen österreichischen Familie (http://unterwegs.z-haus.at) fröhlich weiter auf der Carretera Austral gen Norden, die Annahme, der per Elektrode geschweisste Tank sei wieder dicht, entpuppte sich als Irrtum. War er im Baumhängetest mehrere Tage dicht gewesen, so war er dies im eingebauten Zustand längst nicht. Das Auswechseln der hinteren Stossdämpfer hatte sich gelohnt, das heftige Rubbeln beim Bremsen war verschwunden. Ein lautes Klötern, was plötzlich und unvermittelt auftrat, war lediglich der schwere Ablasshahn des Abwassertanks, dessen Halterung durch Vibration abgerissen war. Braucht sowieso kein Mensch. Abwasser läuft unter den Bus, man kann es sowieso nirgendwo fachgerecht entsorgen.

Dann wartete die chilenische Andenlandschaft mit Thermen auf, wir hatten das Glück von unseren anderen Ushuaia-Bekannten (www.ug2003-chillout.de) einen „heissen“ Tip bekommen zu haben und konnten in einer naturbelassenen Therme bei strömenden Regen einen ausgiebigen Badeabend geniessen. terma-sauce-bei-la-junta-2

Der Regen war allerdings penetrant, sämtliche in der südlichen Hemisphäre ansässigen Wolken schienen auf der Westseite der Anden ihre schwere Wasserlast loswerden zu wollen, sodass wir uns auf der immer noch grotesk schlechten Carretera Austral, die zudem von vielen Baustellen unterbrochen war, durch Matschwüsten unseren Weg durch urige Regenwälder bahnten und manch verheissungsvoller Spazierweg ungegangen links oder rechts liegenblieb.

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Eine neue, ungeplante Unterbrechung trat -im Regen- auf, als es unter Horsts Motorhaube plötzlich quietschte und sich der Gestank verbrannten Gummis breitmachte. Nicht schon wieder die Lichtmaschiene! schoss es mir durch den Kopf, so wie damals in Oldenburg und schlechtes Gewissen machte sich breit, denn wir waren durch einige Bäche und grössere Pfützen gefahren, machmal auch aus Gaudi schneller als notwendig, manch eine Lichtmaschiene hatte hierbei einen Wasserschaden erlitten. Und unsere war neu, im Zuge der Motorüberhohlung. Also, abschleppen, Autos parken gegenüber der halb verlassenen, trostlosen chilenischen Kaserne in einem noch trostloseren grenznahen Kaff, das lediglich durch den Strassenbau am Leben erhalten zu werden schien. Also Kühlergrill und Kühler abbauen, Lüfterrad herunter, Keilriemen lockern und dann -zur grossen Überraschung- die Lichtmaschiene dreht sich jungfräulich leicht, aber die Wasserpumpe gab beim Drehen knirschende Geräusche von sich. Und was hat eine ebenfalls neue Wasserpumpe für Gründe zu knirschen? Also abbauen, gucken.

 Mit Hilfe der netten chilenischen Soldaten gelang das Zerlegen, ohne relevanten Befund. Das Studium des Werkstatthandbuchs durch unseren maschienenbaugeschädigten Freund Alex brachte dann die Lösung: Ein Schmiernippel war abvibriert oder hatte von vorneherein gefehlt, 80g Fett waren entfleucht und die beiden Lager waren so fettfrei nicht richtig glücklich. p1030795Also Fett hinein, oder „eini“, wie man Österreich zu sagen pflegt, alles wieder zusammengebaut und weitergefahren, heilfroh, nicht in diesem Nest herumhängen zu müssen und auf Teile zu warten. Bis nach kurzer Zeit ein heftiges Klappern von vorne die Freude störte. Die Stossdämpferhalterung war lose, der Stossdämper hin, Ripio. Stossdämper ausgebaut, weiter, bei Futaleufu über die Grenze nach Argentinien, unmögliche Grenzer, unfreundlich, unfähig. Die Story, die in Ushuaia die Runde machte, dass die Grenzer in Futaleufu alle Wertgegenstände genau verzeichnen und diese dann in San Carlos de Bariloche ( ca. 200 km weiter nordwestlich) geraubt werden, konnten wir nicht bestätigen, zu gering war das Interesse. Dafür konnten andere Reisebekannte diese Geschichte von einem anderen, etwas südlicheren Grenzübergang exakt berichten. Die nächsten Tage verbrachten wir dann in dem traumhaften Nationalpark Los Alerces, nördlich von Trevelin, nachdem wir hier -auf Jagd nach Ersatzteilen- in der Halle eines typisch argentinisch aufgeschlossenen Schlossers-

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noch die Auswirkungen eines vulkanausbruchs, nämlich den Ascheregen- miterlebt hatten.

trevelinasche-von-chaiten-17Unheimlich, diese Episode. Wir hatten von diesem Vulkan, dem Chaiten, gehört, der 2008 die gleichnamige Stadt unter einem Lava- und Ascheregen begrub und seitdem wiederhohlt Asche gespuckt hatte. Aber jetzt waren wir mittendrin und der Himmel verdunkelte sich, alles war in dichtem Nebel und die kleinen und grossen Aschepartikel legten sich auf Haut, Kleidung und Haare.

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Doch der Spuk ging bald vorrüber und die Sonne lachte wieder vom Himmel und wir freuten uns sehr über die Sonnentage, hatten wir doch einige Wochen in zuweilen recht ungemütlichem Wetter zugebracht.

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Später als geplant verliessen wir dann den Nationalpark Los Alerces, jetzt auch vorne frisch bestossdämpfert und nur ein platter Reifen unterbrach die kurze Strecke nach El Bolson, seines Zeichens ehemalige Hippiestadt, mittlerweile sehr touristisch geprägt, in deren Nähe wir die Farm von Claudia und Klaus aufsuchten.

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Diese haben sich nach ihrer 16 Jahre langen Weltreise hier mit ihren Kindern niedergelassen (www.abgefahren.info). Die Kinder hatten viel Spass miteinander, Helke übte sich in Yoga und perfektionierte ihr Kunst, dunkles, vollwertiges Brot zu backen, ein Genuss nach vielen Weissbrotwochen. So vergingen wieder einmal zwei Wochen mit Basteln, Backen Spielen und Lagerfeuer.

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Dabei wollten wir eigentlich nur ganz kurz bei Klaus und Claudia sein, denn es locken ja noch die weiter nördlich gelegenen südamerikanischen Länder und wir hatten überlegt, Horsti von Kolumbien aus zurückzuverschiffen. Das hätte aber eine straffe Zeiteinteilung erfordert und wenn eins klar ist, dann dass Paula und Tom keine Lust auf lange Autofahrten haben. Also legten wir nach der Abfahrt bei Klaus und Claudia nach 50 Kilometern gleich den nächsten Stop ein, über eine schmale, gewundene Einbahnstrasse (morgends bergab, abends bergauf) ging es an den Lago Steffen, einer der vielen wunderschönen Seen hier im Sieben-Seen-Gebiet, oder auch der argentinischen Schweiz, wie dieser Landstrich um Bariloche auch genannt wird.

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Durch diese Landschaft führte uns dann die Reise nach San Martin de Los Andes, hier werden wir nur noch schnell die Solarpanele befestigen, auch diese haben die Strassen „geschafft“, fast wären sie uns weggeflogen. Dann steht morgen ein erneuter Wechsel auf die chilenische Andenseite an, mit einer Fährpasssage über den Lago Lacar, auf die wir uns sehr freuen.

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