Nationalpark Torres del Paine, 12.01.09

Staub. Überall Staub. Feiner als Mehl, zieht er ueberall hin, wenn wir diese Schotterpisten fahren. Und wir sind viele Schotterpisten gefahren, seit wir uns dem südlichen Ende der Routa 3 genaehert haben. Vorher auch schon, doch da war es freiwillig, wenn wir die Hauptstrasse verliessen, um die abseits gelegenen Orte oder Nationalparks anzuschauen.

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Zuletzt hatten wir keine Wahl, was die Strasse anging, durch Chile hindurch nach Feuerland führt nur eine Schotterstrasse, „ripio“, wie es auf spanisch heisst, manchmal „muy ripio“, wenn sie auch fuer hiesige Verhältnisse schlecht ist. Diese Strecke brachte unseren österreichischen Freunden zwei Plattfuesse ein, siehe vorheriger Bericht. Fuer uns bedeutet das „Waschbrett“ und die Schlagloecher neben dem Staub, der wirklich ueberall ist (auch in dieser Tastatur) vor allen Dingen Lärm. Die Bretter, die das Kinderbett über dem Führerhaus bilden sind noch nicht festgeschraubt und machen bei jedem Schlagloch einen Höllenlärm, die Standheizung wackelt und macht ein hochfrequentes „Wiiek,wiiek,wiiek“ und das Geschirr scheppert in den Kisten wild vor sich hin. Nach 100 km auf diesen Pisten sind wir alle gar, Helke und ich merken, das wir die Nerven der Kinder schinden, den Horsti sowieso, der ist bis jetzt ganz tapfer, ich bin froh, dass wir zumindest vorne die grossen Räder drauf haben, hinten sind noch die kleinen drauf, aber Zwillingsbereifung, da ist es nicht ganz so wild…

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Weihnachten war nett, draussen, ungemütliches Wetter, windig, Regen, kühl. Aber eine grossen Gemeinschaft von deutschsprachigen Weltenbummlern, die sich alle auf dem einen Camping, „Club Andino“, in Ushuaia eingefunden hatten. Nach der Bescherung gingen alle in die Hütte des Campingplatzes, wo es ein grosses Weihnachtsessen gab, natürlich mit viel Gegrilltem und sehr süsser Nachspeise.

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Travellertreffen an Weihnachten im Club Andino

Am zweiten Weihnachtstag fuhren dann viele in den Natinalpark „Tierra del Fuego“, quasi an Ushuaia angrenzend, hier wurden wir am naechsten Tag von dichten Schneegestöber geweckt, zu allem Unglück war dann auch noch unser Gas alle, also im Kalten sitzen und bei den Nachbarn kochen, trotz allem ein schöner Platz auf dieser Erde, uns wird er wahrscheinlich durch die witzige Uno-Partie mit Josch im Gedächtnis bleiben.

Postamt am Ende der Welt

Postamt am Ende der Welt

Zurück in Ushuaia trafen wir am 30.12. trotz einiger Widrigkeiten (Windstärke 10, dadurch bedingt auf dem Flughafenparkplatz eine aus der Hand gerissene Seitentuer, die ein parkendes Auto beschädigte, dessen Besitzer jedoch einfach wegfuhr) unseren Kollegen Gunnar Jähnichen mit Ehefrau und Freunden, was sehr nett war. Endlich die neuesten Geschichten aus Delmenhorst aus erster Hand!

Treffen am Ende der Welt

Treffen am Ende der Welt

Anschliessend ein stressiger Grosseinkauf fuer die nächsten Tage, stressig, weil etliche Argentinier dasselbe taten und dann Fahrt aus Ushuaia heraus zur ca. 70 km entfernten „Estancia Haberton“, wo wir an einem malerischen Flüsschen im Kreise der mittlerweile gut bekannten Deutschen Silvester feierten, zum ersten Mal in meinem Leben so ganz ohne Knaller und Raketen, dafür mit reichhaltigem Mal vom Grill (Dank an den Grillmeister Götz) und ordentlichem Lagerfeuer. Zwischendurch wurde mir etwas seltsam zumute, ob der zwei deutschen Motorsägen -die brennholzsägend die Stille jäh durchbrachen- und der ca. 60 qm Plane, die wir zwischen den Autos aufgespannt hatten.

Silvester am Beaglekanal

Silvester am Beaglekanal

Fuchs moechte mitessen

Fuchs moechte mitessen

Am dritten Januar ging es dann weiter, einem Irrtum aufsitzend fuhren wir weiter die Ruta „J“ entlang, bis zum südlichsten, mit dem Auto erreichbaren Punkt dieser Erde, was dann nicht 30, sondern 90 km mehr „Ripio“ an diesem Tag bedeutete. Belohnt wurden wir allerdings mit einer spektakulären Fahrt bei traumhaften Wetter direkt entlang des Beagle-Kanals.

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Zurück ging es dann wieder über die unglaublich schlechten Strassen Chiles, nur bogen wir diesmal nach Westen ab, um nach Puerto Natales zu gelangen, einer touristisch geprägten, grösseren Stadt, nicht weit von Punta Arenas, der grössten Stadt im Süden Chiles. Nachdem wir die „Pischte“ hinter uns gelassen hatten -unter unseren Reisebekanntschaften befinden sich viele Süddeutsche- überraschte uns Chile mit einem im Vergleich zu Argentinien gepflegten, liebevollen Ambiente und guter Infrastruktur, man hatte den Eindruck, dass man hier in etwas längeren Zeitintervallen dachte und plante, während in Argentinien doch eher das „Heute“ im Mittelpunkt zu sein scheint.

Wir verbringen also zwei Nächte in Puerto Natales, die Tage verbringen wir in der Stadt und im Internet, beim Versuch ein Treffen mit Claudia, meiner Schwester zu arrangieren, die seit dem 30.12. in Südamerika weilt. Gerade steht der Termin, 12.01, als in ganz Puerto Natales das Internet zusammenbricht…

Die "Torres del Paine"

Die "Torres del Paine"

Glücklich, diesen Auftrag erledigt zu haben, brechen wir in den Nationapark „Torres del Paine“ auf, der uns mit seinen Gletscherseen, den schönen Bergen und faszinierenden Sonnenuntergängen begeistert. Drei Tage verbringen wir hier, in der sehr angenehmen Gesellschaft von Ute, Götz und Ben, nehmen Abschied von Josch, der drei Wochen zur Familie gehörte und nun eine sechstägige Wanderung unternimmt, feiern meinen Geburtstag und schrauben was das Zeug hält weiter an Horst herum, bringen Regale an, schrauben das Bett und die Heizung fest und Verkleben die Türen mit Klebeband, denn die nächste „Pischte“ wartet schon, morgen fahren wir nach El Calafate, Argentinien, um dort meine Schwester zu treffen und den Gletscher „Perito Moreno“ anzuschauen.

...bei Tag

...bei Tag

...und am Abend

...und am Abend

Bei dieser Gelegenheit möchten wir noch mal all unseren Familien, Freunden, Kolleginnen und Kollegen und Bekannten etwas verspätet ein frohes neues Jahr wünschen und uns für die Unterstützung und Anteilnahme, die uns bei diesem Projekt entgegengebracht wird, bedanken. Suerte! (Liebevoller Abschiedsgruss der Argentinier, bedeutet „Habe Glück“)

Gletscher "Perito Moreno"

Gletscher "Perito Moreno"

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5 Responses to Nationalpark Torres del Paine, 12.01.09

  1. Brit sagt:

    Ahnte ich es doch,schwahnte mir-Jülsch hat ja Geburtstag gehabt.Alles alles Gute,wenig kaputte Reifen bzw. immer mehr Talent beim Reifenwechseln.Gutes Wetter allüberall.
    Hier ist das Wetter zu nasskaltkühl umgeschwenkt,alle Eisflächen(Bericht liegt vor)abgetaut.Schade.Elsa soeben mit viel Blut ihren 4. Milchzahn verloren.Ich mein Handy-schluchz-verloren an den Sondermüll…Wie hilflos und ausgeliefert man sich selbst inmitten der Hochzivilisation fühlen kann…
    Naja.Ansonsten gestern wieder VIEL LÄRM UM NICHTS gespielt,was mir bleibt sind schmerzende Füsse…Helke;Du hattest es gar nicht gesehen,gell?Gibt aber ne ganz gute DVD Dokumentation dazu-ganzes Stück.
    Am Mittwoch hab ich Premiere in WHV.Bin gespannt.
    Dies an einem verqueren Sonntag von Brit

  2. Alma Pithard sagt:

    Ersteinmal ein großes WOW!!! Tolle Bilder, freue mich schon auf euren Reisebericht mit Beamer, um diese Naturschönheiten noch in etwas größer zu bewundern! Ich kriege soo ne Reiselust… Statt dessen liege ich gerade abwechselnd mit irgendwelchen Infekten oder nem kaputten Rücken flach. Habe gearde heute sehr intensiv über die Beantragung einer Mutter-Kind-Kur nachgedacht! Ist ja auch schon was, oder? Nach Feuerland gehts da gweiß nicht, dafür freue ich mich schon auf euren nächsten Bericht, um ein wenig dabei sein zu können. Ganz viele liebe Grüße an groß und klein! Eure Alma

  3. Renate sagt:

    Hallo Ihr Lieben!

    …und fleißigen Reiseberichts-Schreiber:-)
    Ganz liebe und heute-sonnige-Grüße aus der Heimat! Immerhin so nett, daß ich meinen ersten Kaffee auf dem Balkon in der Sonne hatte. Zwar mit Jacke und nicht so lange, aber angenehm. Immerhin, am 25. Januar schon nicht ganz schlecht. Da kann man den Frühling ein bißchen erahnen.
    Also, in Sachen Delmenhorst seid Ihr auf dem neusten Stand….welchen Ort in Argentinien oder Chile oder …habt Ihr Euch zum Niederlassen und heimisch werden ausgesucht? Jülsch, für Dich vielleicht alles nicht sooo schlimm, aber Helke, hast Du schon Alpträume? Ein klein wenig Hoffnung hatte ich ja bisher noch, aber bei solchen Berichtsquellen, so Auge in Auge mit Herrn Jähnichen, na toll!!! HELKE, bitte überleg‘ noch mal in Ruhe…mit was Du Dich bestechen läßt! (also, ich bin noch da, falls die Chinesen mich nicht überzeugen;-) )

    Jülsch, fühl‘ dich umärmelt, nachträglich zu Deinem Geburtstag!
    Euch Vieren, zusammen mit Euren Wegbegleitern weiterhin eine tolle,spannende und gute Zeit! Bis bald,
    Eure Renate

  4. Brit sagt:

    Holladrio!
    Wie?Was?Ist was Mit DelmenHORST-Ahja-überall HORST-aber Euer HORST scheint treuer zu sein…Wollen Sie Delmenhorst incl. Klinik verschrotten?
    Apropos verschrotten…Unlängst stand in der NWZ das das Boot im Kanal,genau da wo wir in der Frühstücksmalpause immer saßen untergegangen ist,hat sich wohl durch Frost/Eis eine Fuge verzogen und zack weg wars.Fraglich ob es noch zu retten ist.
    Vergessen zu schreiben ,das die Bilder vor dem Wasser in Sonne und vor den Gletschern fast unwirklich idyllisch aussehen.Toll aber.
    HEHEHE,Ihr kommt aber wieder, hoffe ich ,aus der Ferne…
    Sonntagsgruß mit Latte Macchiatto und Bailys Geschmack.
    Brit

  5. Lutz und Maja sagt:

    Endlich haben wir die Internet-Adresse Eures Reisetagebuches wieder gefunden und sind sehr froh zu lesen und zu sehen, dass es Euch ganz prächtig geht. Die Torres haben sich seid dem Besuch von Ulf-Kerstin-Marcus und mir offensichtlich wenig verändert. Außer UNO kann man übrigens auch ganz ausgezeichnet Doppelkopf im Schatten dieser imposanten Gesellen spielen.
    Auch unser Weg führte uns unlängst in Schwindel erregende Höhen – windumtost, majestätisch und würdevoll erhebt sich der „Brocken“ über die niederdeutsche Flachebene und gewährte uns Einblicke in Welten die zuvor nur die kleine Hexe gesehen und vor denen sie Abraxas gewarnt hatte.
    Kurz und gut – wir sind gerade von einem wunderschönen Kurzurlaub aus dem Harz zurück gekehrt, den wir uns über die Zeugnisferien gegönnt hatten. Unwirtliche Pisten, Abenteuer und smarte Argentinier – Fehlanzeige, dafür Dampflokomotive und Lummerland-Atmosphäre.
    Wir wünschen Euch für die nächsten Tage, Wochen und Kilometer alles Gute und immer genügend Atü auf dem Reifen.
    Buenos noches y buen viaje!

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