Coihaique, 08.02.2009

Fuer den folgenden Blogeintrag kann ich nicht die volle Verantwortung uebernehmen, da mein Hirn durch etliche Kilometer Rumpelpumel durchgeschuettelt wurde und sich nur langsam erholt…
Nach dem zuletzt beschriebenen Gletschernationalpark haben wir uns auf die legendaere Routa 40 begeben (Teil der Panamerikana). Schotter, Staub, Wellblechpiste und uebler Wind, aber mal wieder traumhafte Landschaft: patagonische Steppe, durchzuogen von Canyons und kleinen Gebirgszuegen.

An der Routa 40Nach einer Nacht auf einem skurilen Campingplatz in einem 48-Seelendorf, wo es zwar kein Brot gab, dafuer aber Pizza, Bier und Zigaretten haben wir uns eines der aeltesten suedamerikanischen Kulturgueter zu Gemuete gefuehrt: die Cueva de los manos. Haende in Spruehtechnik und Guanakos, Jaeger und gebaerende Frauen in Pinseltechnik auf Felswaenden, beeindruckende 10 000 Jahre alt. Cueva de los manosGrandioses Setting: die Felswaende befinden sich am Rande eines vulkanischen Canyons mit einem farbenfrohen, fruchtbaren Tal und in der Hoehe kreisende Kondore.
Danach haben wir uns eine Woche Ruettel-Auszeit genommen und „Urlaub auf dem Bauernhof “ gemacht, auf der Estanzia Telken an der Routa 40.

Ach ja, die Kinder haben natuerlich auch gearbeitet!!

Ach ja, die Kinder haben natuerlich auch gearbeitet!!

Nur der Juelsch hat gearbeitet: Oelwechsel, Abschmieren (nur ein Autokundiger wird wissen, dass das schrecklich wichtig ist und wenig Spass macht), ein neuer Staukasten wurde gebaut und der Bus nochmal komplett ausgeraeumt und jede allerkleinste Ritze abgedichtet um endlich dem fiesen patagonischen Feinstaub, der sich mitlerweile auf und in allen unseren Sachen befindet und beim Essen in den Zaehnen knirscht, den Garaus zu machen.

Ich nicht...

Ich nicht...

Grade aufgestanden!

Grade aufgestanden!

Danach begann die wahrscheinlich schoenste Strecke der bisherigen Reise: die Carretera Austral auf chilenischer Seite. Es ging entlang an tuerkisfarbenen Lagunen und Gletscherseen, schroffen Gebirgen, Gletschern, durch fruchtbare Flusstaeler, Regenwald mit riesigen Farnen und Bambus gesaeumt,…

An der Carretera Austral

An der Carretera Austral

Aufgrund der -sagen wir: nicht ganz optimalen Strassenverhaeltnisse- betrug unsere durchschnittliche Geschwindigkeit etwa 30 km/h, optimales Stauntempo also….

Lago General Carrera an der Carretera

Lago General Carrera an der Carretera

Eine Nachte haben wir nach einer abenteuerlichen Serpentinenfahrt in einer wunderschoenen Bucht in Rio Tranquilo genaechtigt, um am naechsten Morgen mit Boot Marmorhoelen zu besichtigen – siehe Foto.

Marmorhoehle in Puerto Tranquilo

Marmorhoehle in Puerto Tranquilo

Danach haben wir einen kleinen Abstecher Richtung Westen gemacht um ein weiteres traumhaftes, einsames Tal kennenzulkerenen, wo wir von Thomas und Kathrin, zwei supernetten,  originellen „Auswanderern“ herzlich aufgenommen wurden und viel ueber den Sueden Chiles erfahren haben. Zum Beispiel, dass man hier unten Pinochet mehr oder weniger heimlich nachtrauert, da er den zuvor durch Allende enteigneten Bauern ihr Land wieder gegeben hat. Und dass es einen Plan gibt, die ins Auge fallenden Ressourcen, namentlich die Wasserkraft, von der es hier unten so viel gibt wie auf der argentinischen Seite den Wind, mittels zweier riesiger Stauseen zu nutzen um die gewonnene Energie hunderte von Kilometern weiter fuer Edelmetallminen zu verwenden. Dann ist Schluss hier mit der Idylle…

Bruecke im Valle exploradores auf dem Weg zu Thomas und Kathrin

Bruecke im Valle exploradores auf dem Weg zu Thomas und Kathrin

Nun sind wir in Coihaique und machen den naechsten Autopflegestop:  die hinteren Blattfedern sind ausgebaut, werden neu gebogen und sollen uns das Ripio-Fahren dann etwas erleichtern. Es ruettelt schon arg…. Des weiteren gibt es neue Stossdaempfer, der lecke Tank wird geschweisst und die letzten (?) Regale werden angebaut.

Jetzt koennte er nicht fliehen, selbst wenn er wollte...

Jetzt koennte er nicht fliehen, selbst wenn er wollte...

Unsere Kinder sind durch das Geruettel auf den Pisten schon etwas traumatisiert: Rennautos sind total out, es wird nurnoch Gelaendewagen-mit-guter-Federung gespielt. Und letztens habe ich Tom, als er einen Baumstamm auf dem Boden herumzog, gefragt, was er da mache und er hat geantwortet, er baue eine Asphaltstrasse… So aendern sich die Beduerfnisse!
Da Coihaique quasi das „Nadeloehr“ der Carretera ist und auch der einzige groessere Versorgungspunkt, trudeln hier so lansam einige bekannte Reisende ein, ebenfalls auf mehrere Tage Aufenthalt zur Autopflege eingestellt. So sind zur grossen Freude besonders der Kinder auch die Oesterreicher mit ihren zwei Luetten wieder dabei- und wir sehen unsere Kinder nur noch zum Essen und ins Bett bringen…

Wenn das Blattfedern-Werk hier vollbracht ist geht es noch eine Weile weiter auf der Carretera Austral, dann wechseln wir nach Argentinien und dann, ja dann kann man sich vor lauter lockenden Nationalparks, Seen, Vulkanen und heissen Quellen schwer zwischen beiden Laendern entscheiden, zumal uns ausserdem der argentinische Norden und vor allem Bolivien rufen…. Naja, Halbzeit, ein bisschen haben wir ja noch…
In diesen Sinne: Bis bald!!

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6 Responses to Coihaique, 08.02.2009

  1. Ihr Lieben,
    wie lernen wir jetzt unsere Schlaglöcher lieben! Schön, dass ihr trotz der suboptimalen Straßen, des ständigen updatens von Horst offensichtlich gut gelaunt bleibt und die Fahrt genießt. Wunderschöne Natur blickt uns aus den Fotos entgegen, beneidenswert diese Erlebnisse! Habt weiter so viel Freude. Wir bemühen uns, euer soziales Leben hier in Deutschland durch Telefongespräche, Briefe, Vertröstungen und Erbetteln von goodwill „am laufen“ zu halten.
    Alles Gute euch allen, eure Eltern,Schwieger- und Großeltern

  2. Jule sagt:

    Hey mates,

    die Fotos sind wirklich der Hammer, da bekommt man durchaus Lust auf Südamerika! In 2 Wochen geht auch endlich unsere langersehnte und, meiner Meinung nach, mehr als wohlverdiente Tour durch NZ los, bis dahin noch 6 mal auffe Schicht, das ist doch machbar! Ich kann kaum glauben, das auch bei Euch schon die Hälfte rum ist! Wenn das Beamen nächsten Monat erfunden ist, dann kommen wir mal vorbei, kurz drücken und plaudern…
    bis dahin erstmal liebste Grüsse an die ganze Bande,

    Jule

  3. Renate sagt:

    Wieder einmal beneidenswert schön, Eure Fotos in Kombination mit dem Erzählten!! Ich denke, das läßt den kleinen,feinen und fiesen Staub in einem relativ harmlosen Licht erscheinen. Außerdem schaut Ihr alle vier sehr zufrieden und glücklich aus. Und Horst wirbelt den Staub absichtlich noch mal mehr auf, bei so viel guter ud liebervoller Pflege und den ganzen Streicheleinheiten… Ich könnte mir vorstellen, daß Ihr nach der zweiten Halbzeit, die hoffentlich für Euch noch ewig dauert, gar kein neues Wohn-Domicil braucht, sondern Horsti herbei nach OL sehnt:-)), hm?

    Bis demnächst grüßt aus dem Brookweg

    Renate

  4. Brit sagt:

    Guten Abend!Gute Nacht!
    Was bin ich dieser Tage müde.Liegt das am nimmermüden Winter , der sich dieses Jahr nicht scheut immerwieder Schneetreiben gen Erde zu zaubern?!Oder die Goldmarie passt sich der schwierigen Wirtschaftslage an und schuftet,schuftet,schuftet damit sie ihre Goldreserven bis unters Dach stapeln kann.Naja,Ihr seht den wirklich tieferen Sinn dieses Märchens hab ich immer noch nicht durchschaut…
    Also,noch ist es fies kalt,Fasching steht vor der Tür,Elsa wurde aus dem Theaterfundus total glücklich gemacht mit nem echten PrinzessinKleid.Theo ebenso,der wird ein Wolf-von Freunden zugeschickt.
    Und letzte Nacht hab ich geträumt:Ihr kämt für eine Woche zu Besuch(heimlicher Wunsch)und zwar(jetzt kommts) auf ner sonnenbeschienenen Straße,natürlich mit Horst,die Straße war aus Reifen gemacht,also wie ein riesiger Reifengummi Belag.Super,oder?

    Lasst es Euch gut gehen.
    Herzliche Umarmung.Brit

  5. gine sagt:

    hey ihr lieben. ihr könnt euch nicht vorstellen, wie ich euch zurzeit um die temeraturen beneide, in denen ihr euc h aufhalten dürft. ich bin so wintermüde wie noch nie. deshalb war ich jetzt im reisebüro um eine kleine flucht einzuleiten, mit lino, ne woche gehts mal ohne uns hier. als ich sagte: keine ahnung, malle oder sowas (ich bin nicht anspruchsvoll *g*) widersprach mir lino aber und sagte: lieber südamerika. ich würde ihm den wunsch sooooo gerne erfüllen. nach dem neuesten bericht noch ein bisschen gerner 😉
    ganz liebe grüße und passt weiter schön auf euch auf! gine

  6. Frank Menke sagt:

    Hallo Ihr Lieben,
    es ist schön, zu sehen dass es Horsti so super geht und das Ihr so gut mit ihm zufrieden seit. Ich bin der Vorbesitzer von Horsti. Ich habe nicht gedacht, dass der Wagen so lange lebt, da ich leider paar Probleme mit ihm hatte. Ihr habt ihn wirklich ganz toll hergerichtet. Er sieht super aus. Raffi hat mich auf diese Seite gebracht, er meinte, dort könnte ich mein altes Wohnmobil wiedersehen. Es hat mich richtig grfreut, als ich es sah.
    Ich wünsche Euch noch viele schöne Stunden mit Horst!!!!!!!!
    Ganz liebe Grüße
    Frank Menke

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