5. April 2009

Ereignisreiche 2 1/2 Wochen liegen hinter uns, ich muss mich erstmal sammeln und ordnen….
Juelsch hatte zuletzt davon berichtet, dass wir uns entschlossen hatten, die Grenze nach Chile zu ueberqueren und dort auf der verlockend gradlinigen, asphaltierten Panamerikana gen Norden zu schippern um sicher zu gehen, dass wir Bolivien auch wirklich noch rechtzeitig erreichen…. Gesagt, getan: am Dienstag vor 2 Wochen sind wir in San Martin de Los Andes aufgebrochen und ein einsames Schotterstraesschen entlang an zwei einsamen Grenzposten vorbei zum Lago Pirihuapi gefahren. Da es entlang dieses Sees keine Strasse gibt, sind wir mit Horst 1 1/2 Stunden Faehre nach Puerto Fuy gefahren und drueben angekommen war irgendwie alles anders: chilenisch eben.

Auf der Faehre nach Puerto Fuy

Wir haben in den kommenden Tagen viel geraetselt, was denn den gefuehlten Unterschied eigentlich ausmacht, denn auch die Landbevoelkerung in Suedchile ist arm und in der Gegend um Puerto Fuy gibt es viel Mapuche-Land. Der Haupteindruck fuer mich ist, dass das Leben weniger mutlos wirkt. Man bestellt seinen Garten, man kuemmert sich um sein Feld, und wenn es noch so klein ist, und an den Strassen wird viel Selbstgemachtes verkauft. Nunja. Wahrscheinlich muss man wirklich hier leben, um das wirklich beurteilen zu koennen.

Die naechsten Tage sind wir dann durch malerische „kalte“ Regenwaelder gefahren, an schneebedeckten Vulkanen vorbei und wiedermal an Seen, Seen, Seen…. Und wir haben einen grossen Vorteil der Vulkanregion mehrfach genossen: es gibt dort Unmengen heisser Quellen! Die erste Therme, die wir besucht haben, hatte drei kleine Schmimmbecken zwischen 25 und 42 Grad und zur grossen Freude der Kinder ein Schlammbad…. Pauli, die sonst nur aeusserst ungern oberhalb des Bauchnabels nass wird, weil Wasser ihr grundsaetzlich zu kalt ist, hat sich mit grosser Freude in das 38 Grad-Becken gestuerzt und aus freien Stücken mal eben Schwimmen gelernt! Zumindest wird sie in der Badewanne nun nicht mehr untergehen…

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Es folgte ein kurzer Abstecher nach Pucon. Pucon ist „das internationale Zentrum des chilenischen Tourismus“, so unser Reisefuehrer. Zielgruppe wahrscheinlich 20-40jaehrige, es wird alles angeboten, was der mal Eben-Im-Vorbeigehen-Noch-Ein-Bisschen-Outdoor-Menschen so freut: Vulkanbesteigen, Reittouren, Mountainbiken, Canopy, Canyoning, Thermen-Touren bei Nacht (no Sex, no Drugs, no Alcohol…), Skilaufen…. Hab ich was vergessen? Wir haben uns auf Essen und Internetten beschraenkt und haben uns, auf den Geschmack gekommen, aufgemacht zu einer weiteren Therme, haben uns dann aber durch verschiedene Hinweise in Buechern und an der Strasse an das Ende eines huebschen Tals zur „Rancho de Caballos“ leiten lassen. Und haben uns wiedergefunden in einer Petterson -und-Findus-Idylle: kleine und groessere Holzhaeuschen, hier eine Lagerfeuerstelle, da ein Blumenbeet, ein Baechlein rauscht durch den Garten das Pferd steht im Gemuesegarten und knabbert genuessliche den Kohl und der eigentliche Wachhund freut sich wild ueber neue Spielgefaehrten. Und dazu Christa und Wolfgang, zwei grossherzige, offene unkomplizierte Menschen, die vor 20 Jahren dort begonnen haben, sich ihren Lebenstraum zu verwirklichen und trotz diverser Stolpersteine tapfer ausharren. Horsti wurde in eine gemuetliche Ecke des Grundstuecks bugsiert und da haben wir uns dann fast eine Woche lang das Leben huebsch gemacht mit gemuetlichen Alltaeglichkeiten, Lagerfeuer, kleinen Ausfluegen in den Wald und an die Wasserfaelle und, ja, und einer kleinen Reittour. Aua, kann ich da nur sagen…. aber der Spass war gross und die Landschaft mit Ausblick auf den rauchenden Vulkan Villarrica ebenso.

Vulkan Villarica

Vulkan Villarica

Ach ja: und Juelsch hat die Seibahn in dem „Abenteuerspielplatz“ nebenan, den Christa und Wolfgang vor Jahren mal gebaut haben, repariert. Oder zumindest fast: der Schlitten ging ab wie die Lutzi, aber die Bremse wollte nicht bremsen und so kam es dann, dass ich doch tatsaechlich zum ersten Mal seit unserer gemeinsamen Zeit Angst um Juelschis Leben hatte…. Auch eine Erfahrung! Aber irgendwas hat dann doch gebremst und so konnten wir unsere Reise gluecklich und zu viert fortsetzten…

Auf der Rancho de Caballos

Auf der Rancho de Caballos

Und diesmal haben wir es wahrgemacht und sind tapfer auf die Panamericana, die dort sogar Autobahn ist, gefahren, und ohne wesentliche Unterbrechung mit romantischen Naechten an der Autobahn und Kindern, die Autofahren nicht besonders leiden koennen. Das erste Mal wieder tief Luft geholt haben wir in einem kleinen Fischerdoerfchen ca. 400km noerdlich von Santiago. Die Veraenderung von Land und Leuten entlang dieser Strecke haben wir in erster Linie anden Obst-Gemuese- und Handwerksstaenden an der Strasse, deren es viele gab, wahrgenommen. Wurden im Sueden noch Tomaten und Aepfel verkauft, so wurde das Angebot gen Norden immer exotischer, zuletzt waren Papajas und Oliven ganz vorne an.
Eine sehr nette Begegnung hatten wir, als wir an einem kleinen scheinbar ausgestorbenen Landstraesschen gegenueber einem Bauernhoefchen zur Mittagspause anhielten. Es dauerte nicht lange, da stand die ganze Familie aus dem Haus auf der Strasse, kurze Zeit spaeter wurden wir mit Melonen und Feigen beschenkt, so eine unvoreingenommene grosszuegige  Gastfreundschaft moechte ich gerne mitnehmen…

Nach zwei gemuetlichem Tagen in diesem Fischerdoerfchen stand eigentlich der Plan, durch die Wueste weiter gen Norden zu fahren und erst in der Hoehe von Salta wieder nach Argentinien zu wechseln. Vorher wollten wir aber noch einen kleinen Abstecher ins Valle de Elqui machen, dem Tal wo die Piscotrauben herkommen, angeblich mit gewisser Regelmaessigkeit UFOs landen und es viele viele Sternwarten gibt. Ufos haben wir nicht gesehen, dafuer hatten wir einen beeindruckenden Abend in einem kleinen Observatorium mit dem wohlklingenden Namen Mamalluca. Ein chilenischer Astronom hat uns mit Herz in die Welt der Sterne eingefuehrt, uns den Mond und Galaxien und auch Saturn mit seinen Monden durch verschiedene Teleskope gezeigt. Wow! Nun gucke ich jeden Abend an den Himmel und schaue nach, ob Betageuze, der nachste Stern von dem erwartet wird, dass er zu einer Supernova implodiert, schon gestorben ist…

La luna, la luna...

La luna, la luna...

Ja. Und dann haben wir mal wieder unsere eigenen Plaene umgeworfen und sind (nachdem uns viele Reisende und Ortsansaessige auf die Einmaligkeit hingewiesen haben) doch schon vom Valle de Elqui aus entlang dem Rio Turbio ueber den Paso de Agua Negra ueber die Anden gefahren. Und da fehlen mir fast die Worte angesichts von soviel Schoenheit. Die Berge entlang dem Pass sind bunt, bunt, bunt, wie angemalt. Rot-gelb-orange-gruen marmoriert. Dazu blauer Himmel und Sonnenschein.

Huebsch, gell?

Huebsch, gell?

Uebernachtet haben wir an einem Stausee auf 3200m Hoehe bei schon merklich duennerer Luft, aber so ein Sauerstoffmangel scheint noch zusaetzlich zu beseelen.

Unser Uebernachtungsplatz an der Lagune auf dem Weg zum Paso

Unser Uebernachtungsplatz an der Lagune auf dem Weg zum Paso

Am naechsten Tag ging es dann weiter durch eine wahre Explosion der Farben bis auf 4780m Hoehe. Die letzten 200 Hoehenmeter fanden sich an den Seiten immer wieder sogenannte Büßerschneefelder, siehe Foto. Und spaetestens ab da kann man fast kaum glauben was man da sieht. so, so schoen, unglaublich.

Buesserschneefelder am Paso de Agua Negra

Buesserschneefelder am Paso de Agua Negra

Und gleich danach sind wir (aufgrund eines kleinen Hinweises in dem von mir eigentlich wenig geliebten Argentinienbuches von Lonely Planet) an dem naechsten unglaublichen Ort gelandet: in Rodeo, einem kleinen Surferparadies in der Halbwueste. Wahnsinn. Da sitzen taeglich viele, viele Surfer am Rande einer Lagune, vor einer Kulisse von schneebedeckten 6000ern und sandigen Wuestenhuegeln, und warten auf Wind. Und der kommt. Manchmal um 12, manschmal erst um 17h. Aber er kommt. Und dann geht die Wutz ab bei Windgeschwindigkeiten bis 120km/h. In der Halbwueste. Heute geht der Juelsch aufs Wasser, das laesst er sich doch nicht nehmen.

Surfen in Rodeo

Surfen in Rodeo

Und wie geht es dann weiter? In 10 Tagen treffen wir uns mit unseren Reisefreunden Goetz, Ute und Ben in Salta, bis dahin haben wir es ein bisschen weniger wild. Und dann freue ich mich schon jetzt wie eine Schneekoenigin auf den naechsten Andenpass…

18.April 2009

Nun hat es doch bis nach Salta gedauert, bis dieser Beitrag auf den Weg geschickt werden konnte; die Leitungen in Argentinien sind eben manchmal länger als anderswo… Und wieder waren die Tage bunt und ereignisreich, ich denke, hier werde ich mal die Fotos fuer sich sprechen lassen. Im Wesentlichen sind wir von Rodeo aus ueber die schon häufig erwähnte Routa 40 , mit kleinen Abstechern nach links und rechts, gen Salta gefahren. Es ist warm, endlich sieht man riesige Kakteen und Orangenbaeume, endlich sind die Doerfchen beschaulich und einladend.

Sandsteinformationen im Valle de la luna

Sandsteinformationen im Valle de la luna

Juelschis neuer Freund oder: Endlich Kakteen!

Juelschis neuer Freund oder: Endlich Kakteen!

Ueber diese schoenen Inkaruinen sind wir in der Naehe von Belen gestolpert

Ueber diese schoenen Inkaruinen sind wir in der Naehe von Belen gestolpert

Zu irgendwas muessen so kleine Tueren doch gut sein...

Zu irgendwas muessen so kleine Tueren doch gut sein...

In den Thermen von Los Nacimientos

In den Thermen von Los Nacimientos

Horst musste unten warten...

Horst musste unten warten...

Also gut:es waren Ex-Thermen. Viel Geroell und Muell, aber Wasser!

Also gut:es waren Ex-Thermen. Viel Geroell und Muell, aber Wasser!

Aparte Windhose auf dem Weg nach Cafayate - Horst war schneller!

Aparte Windhose auf dem Weg nach Cafayate - Horst war schneller!

In Salta angekommen wurden wir nett von Goetz, Ute und Ben sowie einer weiteren deutschen Familie mit zwei kleinen Kindern empfangen, Tom und Paula sind entsprechend kaum noch zu sehen, endlich KINDER!!! Horst wurde von Jülschi schon rührend aufgepäppelt und mit diversen Ersatzteilen bedacht und nun steht die Planung des letzten Teils der Reise an. Leider haben wir hier erfahren, dass es im gesamten Norden von Argentinien sowie im bolivianischen Tiefland, Paraguay, Uruguay und Brasilien seit Februar viel Denguefieber gibt, die Infos sind widersprüchlich und unzuverlaessig, aber irgendwas wird schon dran sein. Wir werden entsprechend unsere Plaene etwas aendern und das bolivianische Tiefland meiden, statt dessen gibt es noch ein bisschen Peru…. Genaues dann beim nächsten Mal!!

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3 Responses to 5. April 2009

  1. Jule sagt:

    Ihr Lieben!

    Wir befinden uns gerade im Süden Neuseelands, im Fjordland und haben da gelernt, dass wir uns mit Chile auf einem Breitengrad befinden. Hellis Naturbeschreibungen passen tatsächlich zu dem, was wir hier gerade gesehen haben. Nur schottert es hier nicht soooo sehr auf den Pisten… Super Fotos. Da täte es selbst mir die Sprache verschlagen, was was heissen mag.
    Seid lieb gegrüsst!

  2. Brit sagt:

    Hallöchen!
    Dieses Photo von DEN THERMEN VON NASSIMIENTOS ist grandios.Das sieht so aus als wäre es aus vergangenen Zeiten,so ein bißchen verwischt und natürlich Eure entspannten Gesichter und Mensch Helke! da sieht man trotz SepiaFärbung wie!!!!!! braungebrannt Du bist.Und Paula die Große! Herzlichen Glückwunsch zum Seepferdchen oder muß ich besser sagen zur transatlantischen Kegelrobbe? Auf jeden Fall:toll!
    Übrigens Tom,der Theo erinnert sich immer noch bestens daran,das Du nach „Guten Appetit“ immer „Haut rein“ gesagt hast.Nur das er Dich auch immer gebissen und gehauen hat,weiß er nicht mehr.Daran hat Elsa ihn erinnert…Aber keine Angst er ist meist zahm,außer er spielt Ritter oder Krokodil oder Löwe und so.
    So, Ihr lieben Eltern auch an Euch viele Grüße.
    Die anderen Photos sind natürlich auch beeindruckend und prima.Wäre gerne für einige Tage da zum Gucken.Und fremdländischen starken Kaffee trinken.Avec Vous.
    Buona Notte.
    La Brit

  3. Brit sagt:

    Achsoja….Lieber Jülsch,Du siehst natürlich auch blendend aus auf den Photos,nur habe ich Deine Photos erst nach geduldigem Warten auf das LOADING ansehen können,manchmal dauert das doch etwas länger…
    Also,siehst spitze aus.
    Kleiner Nachtrag aus der rasanten Entwicklungswelt neuzeitlicher Kleinstkinder:der Theo kann jetzt auch Radfahren,habe ihn gestern erstmalig auf Euer ehemaliges MiniRad(von Clara und Jonathan ausgeborgt) gesetzt und schwupps gings los.Nun hab ich nur noch große Kinder.
    Montagsgruß von Brit und schöne Tage für Euch

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