28.6.2009, Alemania…

Ja, es gibt uns noch, und diesen Blog auch noch, und er wird auch noch gefüttert…Das Schreiben dieses Blogs fühlt sich heute ein bisschen an wie das Ausfüllen der Einkommensteuererklärung: ich bin spät dran…. Paula, Tom und ich sind nämlich schon in Deutschland. Langsam gewöhnen wir uns an all die Dinge, die hier anders sind als „drüben“: warme Nächte, leise Autos, warmes Wasser aus dem Hahn, dreilagiges Toilettenpapier, welches man auch wieder in die Toilette werfen darf, Tastaturen mit Umlauten, Schwarzbrot, Käse, Nutella,…

Was fehlt? Die Märkte, der Trubel, die Stille, die Herzlichkeit auf der Strasse, Jülsch, Horst, das Neue, Andere, das tägliche Staunen. Vielleicht ist es aber noch ein bisschen früh zum Reflektieren, ich werde mich nun erst mal auf die letzten 6 Wochen stürzen und „in Kürze“ berichten:

Deutsches Generalkonsulat Sucre
Deutsches Generalkonsulat Sucre

Nach der trubeligen Fülle der stark indigen geprägten Minenstadt Potosi haben wir Sucre besucht, offizielle Hauptstadt Boliviens (in La Paz ist „nur“ der Regierungssitz). Sucre ist wunderschön und geprägt von großzügigen Kolonialbauten, Plätzen, Museen….. Nach den vielen neuen, fremden Eindrücken unserer ersten Tage in Bolivien boten sich hier der Raum und die Gelegenheit, diese einmal sacken zu lassen. Zum Beispiel im Patio des deutschen Generalkonsulats, wo wir ein gemütliches Frühstück genossen haben. 

 

Sucre, mediterranes Flair

Sucre, mediterranes Flair

 

Zwischen Sucre und Santa Cruz

Zwischen Sucre und Santa Cruz

Jülsch hat die Gunst der Stunde (der Entspannung…) genutzt und mich zu einem kleinem Abstecher ins Chapare überzeugt, Cocaanbaugebiet Nr.1 in Bolivien und: Regenwald! Fünf Tage keine höhenbedingte Atemlosigkeit, keine kalten Nächte, statt dessen laue Sommerabende, feucht-heisse Tage, herumtollende Äffchen in den Bäumen, idyllischer Urwaldfluss „um die Ecke“ und Sandflys…. Ich muss zugeben, trotz allem Staunen über die Schönheit und Üppigkeit der Vegetation und die Freude über wildes Vogelgezwitscher (endlich, endlich!!)  habe ich mich nicht sehr gut benommen. Ich bin glaube ich doch eher für die gemäßigten Klimazonen bestimmt. Jülsch hingegen hat die Tage sehr genossen… Sorry, Jülsch, das dieser teil so kurz ausfällt,vielleicht willst Du ja später noch was ergänzen (grins…)!

Abfahrt nach Chapare

Abfahrt nach Chapare

Da findet paula Affen noch suess

Da findet Paula Affen noch süess (bis einer sie ins bein gebissen hat...)

 

Auf der Strasse in Villa Tunari

Auf der Strasse in Villa Tunari

Horsti gut getarnt im Jungel

Horsti gut getarnt im Jungel

 

...und wieder zurueck in die Kaelte und Hoehe des Altiplano

...und wieder zurueck in die Kaelte und Hoehe des Altiplano

 

Hinauf nach La Paz

Hinauf nach La Paz

 

La Paz

La Paz

Die folgenden dann allerdings nicht mehr so sehr: für La Paz stand für Horst ein Werkstattaufenthalt an, weil die Bremsen seit einer Weile sehr unregelmäßig bremsten, und defekte Bremsen in den Anden möchte man nicht haben…. Da der allgemein empfohlene Touri-Schrauber keine Zeit hatte, haben wir uns für einen anderen entschieden. Dieser fing auch an mutig draufloszuschrauben, schien aber nicht wirklich zu wissen, was er da eigentlich tat. Schlussendlich hat Jülsch 2 volle Tage in der Werkstatt verbracht und versucht, das Schlimmste zu verhindern, während ich mit den Kindern ein bisschen La Paz erobert habe und uns mit Wollsachen gegen die Kälte im Hostel, in dem wir die Tage über gewohnt haben, eingedeckt habe.

La Paz ist eine spannende Stadt voller Gegensätze, die sich munter vermischen, ohne das es grotesk wirkt. Man läuft an Bankenhochhäusern mit Spiegelverglasung vorbei und 300m weiter verkauft eine Indigena auf dem Zaubermarkt getrocknete Lamaembryos…. So halt. Mir hat es gefallen, es gab viel zu entdecken und sogar die Kinder wurden in den Bann der Stadt gezogen. Kann auch an dem Fernseher im Hostelzimmer gelegen haben… Und Horst? Und die Bremsen? Die gingen anschließend gar nicht mehr, aber dafür wenigstens gleichmäßig gar nicht…. Aber auch das hat sich nach ein paar Tagen auf wunderbare Weise ganz von selbst gegeben. Vielleicht sollten wir in Zukunft mehr auf die Selbstheilungskräfte unseres alten Horsti vertrauen, das spart Nerven!!

Schuhputzer

Schuhputzer

 

Diese Faehre faehrt mit Aussenboardmotor ueber den Titicaca-See

Diese Faehre faehrt mit Aussenboardmotor ueber den Titicaca-See

 

Auf der Sonneninsel

Auf der Sonneninsel

Nach La Paz stand also mal wieder „Erholung“ auf dem Programm, das haben wir dann auch ausgiebig gemacht, nämlich in Copacabana am Titicacasee. Ein ganz schönes Fleckchen Erde. Mit Strand und Forelle gegrillt, gebraten, geschmort, gedünstet,…..

Von dort aus haben wir einen Ausflug zur Sonneninsel gemacht, von dort aus sollen einst der erste Inka und seine Frau vom Schöpfergott Wiracocha in die Welt geschickt worden sein diese zu beherrschen. Die kleine Insel ist wunderschön, trotz Tourismus noch sehr ursprünglich und bescheiden. Wir haben die Insel einmal längs durchwandert (da ziehe ich vor den Kindern immer noch den Hut: 12km auf und ab auf 4000m rechne ich ihnen hoch an…) und dann am Südende der Insel in einem Hostel mit Blick auf den See übernachtet. Sehr, sehr schön.

Auch am Titicaca-See geht die Sonne unter

Auch am Titicaca-See geht die Sonne unter

Dann hieß es auch schon Abschied nehmen von Bolivien nach kurzen, aber intensiven 4 Wochen. Unser „Start“ in Peru hat dann allerdings keine Zeit zur Trauer gelassen: kaum über der Grenze haben wir an einer kleinen Garküche gegenüber einer Schule gehalten und einen (sehr leckeren!!) Happen gegessen. Da klingelte es auch schon zum Schulschluss und wir waren umringt von vielen, vielen Kindern die uns Löcher in den Bauch gefragt haben!! Sowenig Scheu und soviel Offenheit waren wir aus Bolivien nicht gewöhnt, das hat sehr viel Spaß gemacht und Lust auf mehr Peru….

Horst als Vereinsauto

Horst als Vereinsauto (an besagter Schule in Peru)

 

Uralte Grabtuerme

Uralte Grabtuerme auf dem Weg nach Puno

 

Die schwimmenden Inseln der Uros im Titicaca-See

Die schwimmenden Inseln der Uros im Titicaca-See

Unser nächster Stop hat mit persönlich allerdings nicht so gefallen, nämlich der Besuch der Uros auf den „schwimmenden Inseln“ von Puno aus. Die Uros lebten traditioneller Weise auf Inseln aus Schilf, bauten Boote aus Schilf, Häuser aus Schilf…. „Echte“ Uros gibt es eigentlich nicht mehr, die Nachfahren leben zum Teil auf extra angefertigten Touristeninseln und das Ganze wird in Zusammenarbeit mit der Stadt auf, nach meinem Empfinden, eher unangenehme Art vermarktet. Spannend ist es trotzdem und wenn man mit der Vorstellung, in einem interaktivem Museum zu sein, dorthin fährt, kann man es auch genießen.

Inca-Haengebruecke aus Algavenfasern

Inca-Haengebruecke aus Algavenfasern

 

Tommi skypt an seinem Geburtstag mit Oma

Tommi skypt an seinem Geburtstag mit Oma

Von Puno aus ging es weiter nach Cusco, dort haben wir zunächst nur einen Kurzen Zwischenstop gemacht und sind ganz bald nach Cachora aufgebrochen. Doch halt, erst haben wir natuerlich noch in Cusco auf dem gemütlichen Camping sehr beschaulich Tommis Geburtstag gefeiert. Mit einer riesigen rosa Geburtstagstorte (auf speziellen Wunsch der Hauptperson!!!), Telefonieren nach Deutschland und wunderbarerweise auch noch weiteren Kindern (aus Kanada) Jetzt istder kleine Tommi schon 5…

Also : von Cusco aus ging es ins Berdörfchen Cachora, und von dort aus sind wir zu unserer „Abschlussreise“ aufgebrochen, einer Wanderung zu den Inkaruinen nach Choquequirao. Ich nenne das immer „Vier-Sterne-Wanderung“, weil wir außer Laufen nix selber gemacht haben: die Kinder saßen auf Pferdchen, das Gepäck wurde von zwei Maultieren getragen und außerdem haben uns noch zwei Einheimische begleitet und bekocht. Wow! Allerdings war der Trail für mich Ungeübte auch so fordernd genug: gut 70km in 4 Tagen mit insgesamt 7000 Höhenmetern, da hätte ich auch nicht viel tragen können…. Die Strecke war traumhaft, ohne Worte, ich mache trotzdem welche: zunächst ging es auf einem Höhenweg mehr oder weniger den Berg entlang, dann ziemlich steil die recht karge Schlucht des Rio Apurimac hinunter.

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Der Weg: hinab zu Rio Apurimac

Zweite Übernachtung (in Marampata)

Zweite Übernachtung (in Marampata)

Übernachtet haben wir kurz oberhalb des Flusses in einer idyllischen Oase, wo unerwarteterweise die leckersten Tropenfrüchte wuchsen. Am zweiten Tag ging es dann auf der anderen Seite wieder hoch, die Vegetation wurde üppiger und üppiger und man hatte ehre das Gefühl in den Subtropen zu sein und nicht im Hochland. Die Inka, diese Füchse, wussten schon genau, wo sie Ihre Städte bauten….

Sonnenaufgang, ganz ganz früh

Sonnenaufgang, ganz ganz früh

Am dritten Tag sind wir dann die letzten Kilometer zu den Ruinen gelaufen. Ein faszinierender Ort auf einem Bergkamm mit traumhafter Aussicht in gleich 3 Täler und faszinierenden Bauten, insbesondere die Terrassen, welche für den Anbau angelegt waren haben mich in ihrer Steilheit fasziniert.

Choquequirao, Wohnbereich

Choquequirao, Wohnbereich

 
Terassenbau der Inka in Choqueqirao

Terassenbau der Inka in Choqueqirao

... und noch mehr...

... und noch mehr...

 Tja, und dann alles wieder zurück…. Insgesamt ein großartiger Ausflug. Paula und Tom saßen vier Tage lang stolz wie die Schneekönige auf Ihren Tieren und „die Grossen“ haben es genossen, sich auch mal körperlich verausgaben zu können und das in einem so großartigen Setting…

Mit einem Umweg über ein weiteres Thermalbad und das heilige Tal der Inka mit Übernachtung in Urubamba und Pisaq haben wir uns dann auf den Rückweg nach Cusco gemacht und so langsam unsere Heimreise eingeläutet.

 Cusco war die Tage über recht unruhig. Zum einen war die Stadt voll von „Vorfeiern“ zum großen Sonnenwendfest Inti Raymi, welches am 24.6. stattfand. Zum anderen gab es auf verschiedenen Zufahrtsstrassen nach Cusco Straßenblockaden (und gibt es noch) aus Protest gegen das Vorgehen der Regierung gegen indigene Demonstranten in der Amazonasregion, welche gegen den Verkauf ihres Landes an ausländische Konzerne zur Ölgewinnung protestiert hatten. Ca 2 Wochen zuvor war es dabei zu gewalttätigen Ausschreitungen mit vielen Toten gekommen. Weiterhin hat die Regierung Pläne, das Wasser in Peru zu privatisieren, was hieße, dass die Campesinos auch für ihr Bewässerungswasser aus Bächen und Quellen Geld zahlen müssten. Um ihren sehr verständlichen Unmut darüber zu äußern hatten sich Hunderte von Campesinos aus dem Umland auf den Weg nach Cusco aufgemacht mit dem Ziel den Flughafen zu besetzen und das Sonnenwendfest zu boykottieren…

 Wie dem auch sei, trotzdem haben wir unseren Flieger bekommen, die Proteste in Cusco halten an, es wird weiter gestreikt und blockiert und demonstriert, nur leider reicht mein Spanisch nicht aus, um den Fortgang inhaltlich stimmig dem Cuscoer Tageblatt zu entnehmen, ich warte auf Post von Jülsch mit weiteren Einzelheiten.

Auf diesem Wege möchte ich auch herzlichste Grüsse an meinen Technical Adviser schicken, er weilt im Urlaub. Peru, Equador, so genau weiss ich es nicht… Viel Spass, lass die S… raus und nimm die kleinen tecnischen Ungenauigkeiten dieses Blogs gelassen…..

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3 Responses to 28.6.2009, Alemania…

  1. Liebe Helke, ganz herzlichen Dank, dass du dich gleich wieder daran gemacht hast uns von euren tollen Reisen zu berichten. wird das bei dir schon „Vergangenheit“? wir sind begeistert über das, was ihr alles erlebt hab. nun wünschen wir alle jens-Ulrich eine unproblematische Weiterreise.
    Macht es alle gut, auch wenn mehrere tausend Km zwischen euch liegen.
    Eure Eltern/Schwiegereltern

  2. Nils sagt:

    Servus Helke! Willkommen zu hause! Wo wohnt ihr denn jetzt? Wie lange bleibt denn der Hase noch? Seit ihr heil wieder hier? Wann sehen wir uns mal wieder? Ich habe doch glatt a bisl Fernweh nach deinen Zeilen! Liebe Grüsse Nils

  3. LINO sagt:

    ich warte schon so auf euch, wo seid ihr denn? liebe grüße von lino

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