Zorritos, 6. Juli 2009

Ausgeraubt abgezockt. In der Reihenfolge. Tja, da hatten wir doch bis jetzt eigentlich immer Glueck und kaum ist die Hellimaus weg, passiert mir gleich zweimal sowas. Just an Orten, die als „supersafe“ galten. Was bleibt, ist eine Stinkwut und das Beduerfnis, unglaublich laut DeathMetal zu hoeren…

Doch der Reihe nach. Nach der Zitterpartie um die geplante Flughafensperrung in Cusco um Helkes Rueckflugtermin war ich ja erstmal froh, dass sie und die Kids gluecklich im Flieger sassen. Noch gluecklicher, als die Meldung von der heilen Ankunft in Bremen kam. Ich verbrachte die Tage noch in Cusco, auf dem Camping dort war eine Gruppe von 12 Leuten schon eine Weile zusammen, die Stimmung familiaer. Zusammen besuchten wir das Fest Inti Raymi, Wintersonnenwende, alter Inkabrauch, der aber noch mit einem realen Hintergrund vollzogen wird, u.a. war natuerlich die politische Lage in Peru Thema. Danach wurde Horsti zum letzten Mal umgeraeumt und auf sein Dasein als Single-Wohnung eingestellt. Los ging es dann am 25.6., noch einmal nach Urubamba, zu Conni, einer Hamburgerin, die dort einen Camping betreibt und viele Locals kennt. Sie war so nett, mich mit in ein staedtisches Krankenhaus zu nehmen, wo ich eine lange Fuehrung von der diensthabenden Aerztin bekam, das war auesserst beeindruckend, leider sind die Fotos mitsamt der Kamera futsch. Der geliebte Garmin uebrigens auch…

Das Krankenhaus ist baulich in einem grotesken Zustand, Loecher in der Decke, Schimmel an den Waenden, Einrichtungen, die man bei uns nur im Museum sehen kann. Die Docs arbeiten taeglich 8-12 Stunden, nachts wird mehr auf freiwilliger Basis ein Rufdienst organisiert.  Der monatliche Verdienst betraegt in etwa 400 Euro. Roentgen gibts keins, einen OP auch nicht, dazu wird nach Cusco verlegt, ca. eine Stunde Fahrtzeit. Allerdings gibt es in Peru Kliniken jedweder Coleur, wer mehr Geld hat, kann in eines der besseren, privaten Krankenhaeuser gehen.

Ich fuhr dann weiter nach Nasca, wo die gleichnamigen Indianer ihre unvergleichlichen Geoglyphen hinterlassen haben, vgl.

http://de.wikipedia.org/wiki/Nazca-Linien

http://www.uni-heidelberg.de/presse/news07/2703nasc.html

die -fast 2000 Jahre alt- auch ohne Rundflug nur vom Aussichtsturm aus schon sehr beeindruckend waren. Fotos, tja, siehe oben. Danach ging es nach Huacachina, einer kleinen Oase bei Ica, dort nahm ich Kontakt zu einem Hostel auf, das mir empfohlen worden war und in dessen Naehe ich das Auto parkte. Nun nahm die Nacht ihren Lauf, zunaechst an der Bar, spaeter in einer Disco im Ort und als ich dann in der Fruehe wiederkam, stand Horstis Beifahrertuer offen und es war mal wieder alles durchsucht. Computer, Kamera, Gps, Rucksack u.v.m. weg, bloederweise auch mein Pass und mal wieder der Langhaarschneider und der Akkuschrauber, ich weiss nicht, warum die Diebe darauf so abfahren, war ja auf der Faehre genauso. Und das Autoradio haben sie auch wieder nicht geklaut.

Der Besuch bei der Polizei mit dickem Kopf war dann ein Kapitel fuer sich und hat auch einen halben Tag gedauert, zuerst wird alles schoen von Hand aufgeschrieben, dann mit dem Oberwachtel zur groesseren Stadt gefahren, dort muss er im Polizeirevier unter den vielen anwesenden Beamten einen davon ueberzeugen, den Schrieb abzutippen, was widerwillig und langsam geschieht und dann wird das Ganze gedruckt. Zuerst traute ich meinen Augen nicht, als der Polizist zwei Blaetter mit Durchschlagpapier in den Drucker legte, aber dann war mir schnell klar, dass die Idee nicht dumm ist, schliesslich dauert so ein Ausdruck mit dem nicht mehr ganz frischen Nadeldrucker so gefuehlte fuenf Minuten.

Ich also nach Lima, die Stadt ist recht haesslich, die meisten fahren grad dran vorbei. Ich musste ja nun zur Botschaft und um in dem Verkehr zu bestehen, habe ich laut Beastie boys gehoert, das verleiht einem ein gewisses Mass an Aggressivitaet, sonst kommt man da niemals irgendwo an. Die deutsche Botschaft laesst sich ihren Service dann auch satt bezahlen, vorlaeufiger Pass 70 Euro. Die wollen ja auch leben…

Froh, dann Lima mit seinem in den Wintermonaten staendig bedeckten Himmel entfliehen zu koennen, dueste ich die PanAm hoch, bis nach Trujillo, hier gibt es eindrucksvolle Ueberreste der Chimu-Kultur zu bewundern, Pyramiden und Palaeste aus Lehmziegeln, ca. 1000 jahre alt. (2. Bild)

Pazifik, wie man ihn sich wuenscht

Pazifik, wie man ihn sich wuenscht

Von dort fuhr ich Huanchaco an, kleines Badeoertchen vor den Toren Trujillos, traumhafte Welle, aber immer noch bedeckter Himmel (Foto3) und der Pazifik  zu kalt zum Baden um diese Jahreszeit. Abends bin ich in die Stadt, wollte mir noch mal die Kolonialbauten anschauen, komme aber mit nem Typen ins Gespraech, der ein bisschen Deutsch kann und wohl in einer Band spielt und nebenbei Sprache studiert. Sein Kumpel ist auch mit von der Partie und wir gehen was Essen, anschliessend was trinken. Im Nachhinein ist alles so klar. Sie haben als Naechstes Auftritte in Ecuador, dort bezahlt man in Dollar, kriegen sie aber nicht am Automaten und die Wechselstube hat -ach wie dumm- schon zu. Ob ich nicht mit meiner Karte Dollar abheben koennte und sie bezahlen in Soles. Hab ich erst nicht gewollt, zumal ich die Karte aus Sicherheitsgruenden nicht dabei hatte. Irgendwann wars dann aber doch soweit. Au mann, darf man eigentlich niemand erzaehlen, vor allem nicht, dass ich dann auch noch meine Karte im Automaten vergessen habe. Das Geld, was ich bekommen hatte, war falsch, wie sich die geneigte Leserin/ der geneigte Leser sicherlich schon gedacht hat. Hab ich dann spaeter auch erfahren, als sich der Barmann ueber den falschen Hunderter kaputtlachte. Der naechste Tag war nicht schoen. Ich musste ja noch mal in die verfluchte Stadt, um bei der Bank zu erfahren, dass man gar nichts bezueglich der Karte machen koenne, die Automaten werden von einer Drittfirma verwaltet. Und die ganze Zeit diese Mordgelueste.  Ich nutzte den Tag dann noch, um meinen Kilometerrekord zu brechen und das Hoerbuch von Hape Kerkeling „Ich bin dann mal weg“, was ich an dieser Stelle jedem innig ans Herz legen moechte, half, die Stimmung zu normalisieren.

Chan-Chan, ehemals groesste Stadt Suedamerikas

Chan-Chan, ehemals groesste Stadt Suedamerikas

Am Ende des langen Tages schlug ich dann hier,  im Hostal Casa Grillo (www.casagrillo.net) auf und dann war auf einmal alles so, wie man es sich immer wuenscht: Angenehme Temperatur, endlich auch mal nachts warm, keine Muecken, ganz tolles Hostal mit super Leuten und Campen direkt am Strand. Dazu ein angenehm warmer Pazifik. (Erstes Bild)

Und hier bin ich jetzt. Morgen gehts nach Ecuador, hoffentlich gibts keine Probleme wegen des Pass…

Pazifik, gewoehnungsbeduerftig

Pazifik, gewoehnungsbeduerftig

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5 Responses to Zorritos, 6. Juli 2009

  1. die helli sagt:

    Juelschi, schoen, auf diese Weise zu erfahren wo du steckst!! Macht nix, ich stehe dafuer in engem Kontak zu Herrn Knoeselbrink, der mich bei Laune hält…
    Superherzliche Grüsse von Renate und Stefan, Lütti, Anja und Uwe,….Jaja, in OL ist Kultursommer, da trifft man sich.
    Komm bald wieder, ja? Du fehlst.
    Deine Helli

  2. Hallo Jülsch, kaum lässt frau dich allein …. Aber mach dir nichts draus, das sind die Geschichten, die die Leute zuhause hören wollen. Wir haben diesmal einfach nix zu erzählen gehabt 😉 ! Viel Spass noch auf dem Weg nach Kolumbien und pass gut auf den Horsti auf!
    Besos von Ute, Götz und Ben

  3. Lieber Jens-Ulrich,
    wie schön, dass es dieses Lebenszeichen von dir gibt. Und die Frust und den Ärger von der Seele zu schreiben tut ja auch gut. Wie machst du denn ohne Kamera noch so eindrucksvolle Fotos?
    Jetzt wartest du auch wohl sehnsüchtig darauf, dass Horsti auf dem Schiff ist und du im Flugzeug sitzt. Und wenn Horsti dann erst wieder in ein Trockendock muss, ist das ja leichter zu ertragen. Mach’s gut auf einer Weiterreise, wir warten sehr auf dich.
    Liebe Grüße von Mami und Papi

  4. Renate sagt:

    Jülsch,
    ja, diese letzen Wochen fordern tatsächlich noch mal ‚ ne ganze Menge von Deiner Ruhe…Nicht, daß du Dich schon mal einstellen solltest auf den deutschen Alltag, nein! :-)Wobei, da erinnert man sich doch zur Abwechselung mal gerne an deutsche Bürokratie. Und es hat doch auch was Gutes, Du weißt wieder um Deine Dich ausgleichende Musik, lächel‘. Und Hape fängt auch mit „H“ an, ist doch was, der ist bei Dir, ,nicht der perfekte Ersatz,aber ja, eine tolle Lektüre, finde ich auch.
    Genieße Deine Zeit trotzdem noch und pass‘ gut auf Dich auf!
    Gute Fahrt!

  5. Nils sagt:

    ja, genau!
    Bin grad von einem kleinen Wochenendausflug im Norden zurück. Oldenburg war leider nicht dabei, aber Du warst ja auch nicht da 🙂 Helli hätte ich besucht 🙂 Wär ich da gewesen…

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